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Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow




Die DDR und ihre Geschichte




Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow
















Wer lügt wirklich bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte?














Wie war es damals wirklich? Über das Leben in der DDR auf Ostsee-Rundschau.de. Die DDR bestand als souveräner Staat vom 07.Oktober 1949 bis 03.Oktober 1990.  Grafik / Zeichnung: Eckart Kreitlow




















Historische Reden und Aussagen












Neue Verantwortung Deutschlands für Frieden, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit - Rede von Oskar Lafontaine bei der Gedenkveranstaltung der Linksfraktion im Bundestag 
 zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Weiterlesen: http://www.oskar-lafontaine.de/links-wirkt/details/t/neue-verantwortung/














•    Rede von Egon Krenz "70 Jahre nach der Befreiung Europas vom deutschen Faschismus" in PDF-Format














Historische Reden und Aussagen















70 Jahre nach der Befreiung Europas vom deutschen Faschismus

(Rede von Egon Krenz, ehemaliger Vorsitzender des Staatsrates der DDR und Generalsekretär des ZK der SED, auf Veranstaltungen zum 8./9. Mai 2015)



Liebe Freunde,

kürzlich erhielt ich eine mich sehr bewegende E-Mail aus Russland. Ein russischer Freund, mit dem zusammen ich vor 50 Jahren in Moskau studiert hatte, schrieb mir:


„Wir haben den Krieg gewonnen und letztlich doch verloren. An unseren Grenzen steht die NATO. Fremde Truppen in der Nähe unserer Heimaterde, das sollte
es nach den furchtbaren Erfahrungen des deutschen Überfalls vom 22. Juni 1941 nie wieder geben. Dafür starben Millionen meiner Landsleute. Siebzig Jahre
danach wird Russland von Deutschland wieder bestraft, nicht mit einem Überfall, aber mit einem Wirtschaftskrieg und mit übler Hetze gegen mein Heimatland.“




Soweit Gedanken und Gefühle eines Russen, der als junger Mann noch Kriegsteilnehmer war.

Eine Einzelmeinung? Oder nur die Äußerung eines verbitterten alten Mannes? Keineswegs!

Die Russen haben aus ihrer Geschichte heraus ein gutes Gefühl dafür, wer ihrem Land Gutes will und wer es demütigt.

Die USA, die offen den Beitrag Russlands als Sieger über den Hitlerfaschismus verkleinern und das Land als gleichberechtigten Faktor der Weltpolitik ausschalten wollen,

stoßen auf Gegenwehr nicht nur bei Putin, sondern vor allem bei der Mehrheit der Bevölkerung.

Viele Russen gehen davon aus, dass Deutschland an der Seite der USA steht, was seit Monaten zum erheblichen Prestigeverlust der deutschen Politik in Russland geführt hat.

Das beeinflusst auch negativ die vermeintliche deutsche Vermittlerrolle im Konflikt mit der Ukraine, weil Deutschland einseitig Partei gegen Russland ergreift.

Wer sich hierzulande bemüht, über solche Zusammenhänge auch nur nachzudenken, für den wurden neue Wörter erfunden.

„Russlandversteher“ oder „Putinversteher“ heißen sie.

Bestimmte Medien benutzen sie gar als Schimpfwort gegen Menschen, denen die antirussichen Ausfälle hierzulande missfallen und diese als „Russenphobie“ kritisieren.




Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Für mich ergibt sich aber die Frage:

Kann eine deutsche Regierung überhaupt konstruktive Russlandpolitik machen, wenn sie sich nicht bemüht, das Land zu verstehen,

sich in die Probleme Russlands hineinzudenken oder auch nur hinein zu fühlen?


Das muss ja durchaus nicht bedeuten, alle russischen Entscheidungen zu akzeptieren.

Doch sich verstehen ist notwendig, um überhaupt zusammen leben zu können.

Wer sich weigert, die Politik seines Nachbarn zu verstehen, der wird keinen freundschaftlichen Zugang zu ihm finden können.

Dies ist letztlich zum Nachteil Deutschlands.


Jede verpasste Chance in den Beziehungen zu Russland, ist immer auch eine vertane Zukunftschance für Deutschland.


Deutschland hat eine sichere Zukunft nur mit und nicht gegen Russland.

Das wusste schon der Eiserne Kanzler Bismarck.

Wenn Regierende heutzutage über die Beziehungen Deutschland zu Russland sprechen, halten sie es nicht einmal für erwähnenswert, dass es mehr als 40 Jahre lang eine enge Gemeinschaft UdSSR/DDR gab,

die auch bei notwendiger differenzierter Betrachtung viel Gutes für uns Deutsche brachte.

DDR Bürger haben einen enormen Anteil daran, dass sich in der Nachkriegszeit das Bild vom verbrecherischen Deutschen, der das Sowjetland verwüstet hatte, von Grund auf veränderte.

Aus Gegnern wurden Freunde. Das ist auf deutscher Seite in erster Linie das Verdienst der DDR.

Wenn bei Umfragen Ostdeutsche heutzutage oft ein anderes Russlandbild haben als Menschen, die im Westen groß geworden sind, dann hängt das mit der DDR zusammen.




Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Hier wurde die Antisowjethetze bekämpft.

In Ostdeutschland wurde schon gleich nach dem Krieg damit begonnen, Wahrheiten über die Russen zu verbreiten, während sich in Westdeutschland oft das von den Nazis verbreitete Bild vom „bösen Russen“ hielt.

Für einen Russen ist es nach all dem heute schwer zu verstehen, dass die deutsche Verteidigungsministerin so kurz vor dem „Tag des Sieges“ ins Baltikum fährt, um die „deutsche Speerspitze“ einer Eingreiftruppe

zu bekräftigen.

Abgesehen vom Inhalt, fehlt bei solchen Aktionen jedes Einfühlungsvermögen in die deutsch-russische Geschichte und auch in die russische Mentalität.

Ich gestehe, mich hat die oben erwähnte E-Mail aus Moskau sehr betroffen gemacht.

Sie hat auch bei mir Emotionen frei gesetzt.

Unwillkürlich erinnerte ich mich an mein Treffen mit Gorbatschow am 1. November 1989.

Ich hatte ihn damals daran erinnert, dass die DDR im Ergebnis des Sieges der UdSSR im Zweiten Weltkrieg und des folgenden Kalten Krieges entstanden war.

Also auch ein Kind der Sowjetunion war. Ich fragte ihn, ob die Sowjetunion angesichts der Situation im Herbst 1989 weiterhin zu ihrer Vaterschaft stünde.

Er erklärte mir, dass es daran keinen Zweifel gebe.

Und er sagte auch warum:

Solange nämlich NATO und Warschauer Vertrag bestünden, solange werde es keine deutsche Einheit geben.

Der einzige Grund für ihn, so Gorbatschow damals, über die deutsche Einheit nachzudenken, wäre die gleichzeitige Auflösung der beiden sich feindlich gegenüberstehenden Militärblöcke.

Das aber, so der sowjetische Präsident, könne sich kein ernsthafter Politiker in der Welt vorstellen, weder in den USA, noch in Frankreich, Großbritannien oder sonst wo.


Das war – wie gesagt – noch am 1. November 1989!


Bald änderte Gorbatschow seine Meinung. Schon Anfand Dezember 1989 erklärte er gegenüber dem amerikanischen Präsidenten bei stürmischer See auf Malta den Kalten Krieg einseitig für beendet.

Ziemlich vertrauensselig wunderte er sich darüber, dass Bush sen. es ihm nicht gleich tat, sondern die USA zum Sieger im Kalten Krieg ausrief, während er, Gorbatschow, naiv dafür warb,

dass es keine „Sieger und Besiegte“ des Kalten Krieges, sondern nur „Gewinner“ gebe.


Gorbatschow ließ sich von den USA über den Tisch ziehen,


gestand der NATO ihre weitere Existenz trotz Auflösung des Warschauer Vertrages zu und machte hinter dem Rücken der DDR-Führung den Weg zur

deutschen Einheit frei, ohne dafür vertraglich bindend politische Gegenleistungen zu fordern.


Das Ergebnis: Das Territorium der Warschauer Militärkoalition, das einst die Sowjetarmee befreit hatte,

wurde innerhalb kurzer Zeit nicht blockfrei, sondern dem Militärbündnis des politischen Gegners zugeschlagen.



Gorbatschow gab sich leichtgläubig mit einer mündlichen Versicherung zufrieden, dass sich die NATO nicht weiter nach Osten ausdehnen würde.


Zwar bestreiten einige Politiker nachträglich, dass es je eine solche Zusicherung gegeben habe.


Doch die Archive sprechen eine andere Sprache.




Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Der damalige NATO-Generalsekretär Wörner hatte am 17. Mai 1990 öffentlich bekannt gegeben:

„Schon der Fakt, dass wir bereit sind, die NATO-Streitkräfte nicht hinter den Grenzen der BRD zu stationieren, gibt der Sowjetunion feste Sicherheitsgarantien.“


Das war – wie gesagt - im Mai 1990. Da gab es die DDR noch.


Das heißt: Die Sicherheitsgarantie der NATO lautete eigentlich sogar:

Östlich von Elbe und Werra, also den damaligen Ostgrenzen der BRD, sollten keine NATO-Truppen stationiert werden.

Das bedeutet: Auch auf dem Territorium der DDR nicht!


Dass Monate nach dieser Erklärung die UdSSR zerschlagen wurde, kann nicht als Vorwand dafür gelten, die gemachten Zusagen der NATO nicht einzuhalten.

Bekanntlich ist die Sowjetunion nicht durch Volkes Willen aufgelöst worden.

Nicht durch einen Volksaufstand. Eine Volksbefragung hatte dagegen ergeben, dass die Mehrheit der Sowjetbürger für den Erhalt der Union war.

Die Sowjetunion wurde von Teilen der sowjetischen Elite von oben zerschlagen. Das hat Gorbatschow und Jelzin die Sympathie des Westens gesichert.

Mit dem ständig alkoholisierten Jelzin hatten die USA und ihre Verbündeten zudem ein leichtes politisches Spiel.

In den Vorzimmern der Macht saßen US-amerikanische Berater.

Damit und mit der Verschleuderung des russischen Volksvermögens an US- amerikanische und internationale Konzerne wie es der Oligarch Chodorkowski betrieb, hat Putin Schluss gemacht.

Er stellt wieder russische Interessen in den Vordergrund.

Das bringt ihm im eigenen Lande hohe Sympathiewerte.


Damit hat er aber auch den Haß jener Kräfte auf sich gezogen, die Russland als gleicberechtigten Teilnehmer an der Lösung internationaler

Probleme ausschalten wollen und das Land lediglich - wie es Obama frank, frei und arrogant verkündete - nur als “Regionalmacht” betrachten.

Ziel ist es, in Russland ein dem Westen zugewandtes Regime zu installieren.





Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Nichts lieber hätten diese Leute als einen Maidan auch auf dem Roten Platz in Moskau.

An diesem Punkt muss angesetzt werden, wenn es um die Ursachen der Konflikte in der Welt geht. Vieles, was heute in der Welt durcheinandergeraten ist, die Konflikte im Irak, in Syrien, in Libyen, im Jemen,

aber auch in der Ukranine, hängen mit den Jahren 1989 bis 1991 zusammen als die Sowjetunion zerschlagen wurde.

Die UdSSR war bis dahin eine Barriere gegen die Weltmachtambitionen der USA.

Undenkbar, dass es bei ihrer Existenz einen so breiten Gürtel von Bürgerkriegszonen gegeben hätte, wie wir sie jetzt im Nahen und Mittleren Osten erleben, wo der Westen unter der Losung

des “Sturzes von Diktatoren” und der Menschenrechte im Prinzip Bürgerkrige erst möglich gemacht hat.

Ohne die Sowjetunion fehlt jedes Korrektiv. Den USA ging es 1989 nur zweitrangig um die deutsche Einheit, viel wichtiger war für sie, dass Russland seine Streitkräfte aus Mitteleuropa

abzog und sie sich selbst hier festsetzten und ihre Atomwaffen weiter stionieren konnten. Nicht die Rückkehr der altrussischen Krim in die Russische Föderation ist die Ursache dafür,

dass Russland und sein Präsident vom Westen verteufelt werden.

Es gibt Beispiele genug, wie das lange vor der dem Staatsstreich in der Ukraine entstand.

Ich erinnere auch an die antirussische Propaganda im Zusammenhang mit den olympischen Winterspielen in Sotschi.

Geschichtsinteressierten dürfte noch gut bekannt sein, dass einst die Nazis Vorurteile, Feindschaften und Hass gegen die Sowjetunion schürten,

um die Deutschen für einen Krieg reif zu machen.


Was ja auch gelang. Allein dieser geschichtliche Umstand sollte daran erinnern, dass Russenphobie kein Ersatz für konstruktive Politik sein kann.

Russlands Abwehr der Osterweiterung der NATO kommt ja nicht wie Phönix aus der Asche. Putin hat den Westen rechtzeitig gewarnt, den Bogen nicht zu überspannen.

Vor dem Deutschen Bundestag sagte er schon im September 2001, als an den Staatstreich in der Ukraine noch nicht zu denken war, in einwadfreiem Deutsch, also für jeden verständlich:


„Wir haben immer noch nicht gelernt, einander zu vertrauen… Mal verlangen wir Loyalität zur NATO, mal streiten wir uns

über die Zweckmäßigkeit ihrer Ausbreitung.

Wir können uns immer noch nicht über die Probleme im Zusammenhang mit dem Raketenabwehrsystem einigen….

Die Koordinationsorgane geben Russland keine realen Möglichkeiten, bei der Vorbereitung von Beschlüssen mitzuwirken.

Heutzutage werden Entscheidungen ohne uns getroffen. Wir werden dann nachdrücklich gebeten, sie zu bestätigen…

Wir sollten uns fragen, ob das normal ist, ob das eine echte Partnerschaft ist? … “



Und weiter: „ …wir (haben) uns bis jetzt noch nicht von vielen Stereotypen und ideologischen Klischees des Kalten Krieges befreit …“.




Das war vor fast 14 Jahren!



Auf der 43. Münchener Sicherheitskonferenz im Februar 2007 wurde er noch deutlicher:



„Nebenbei gesagt, lehrt man uns - Russland – ständig Demokratie.

Nur die, die uns lehren, haben selbst, aus irgendeinem Grund, keine rechte Lust zu lernen ...”

Man darf”, forderte er, “ die UNO nicht durch die NATO oder die EU ersetzen ...

Ich denke, es ist offensichtlich, dass der Prozess der NATO-Erweiterung keinerlei Bezug zur Modernisierung der Allianz selbst oder zur Gewährleistung der Sicherheit in Europa hat.

Im Gegenteil, das ist ein provozierender Faktor, der das Niveau des gegenseitigen Vertrauens senkt.

Nun haben wir das Recht zu fragen: Gegen wen richtet sich diese Erweiterung?

Und was ist aus jenen Versicherungen geworden, die uns die westlichen Partner nach dem Zerfall des Warschauer Vertrages gegeben haben?”



Soweit Auszüge aus bekannten Reden, an die in Deutschland kaum noch erinnert wird.

Die USA und die NATO sind auf Russlands Bedenken nie eingegangen.

Dagegen ist oft von den “Ängsten der Polen und Balten” vor den Russen die Rede, obwohl es dafür keine ernsthaften Gründe gibt.

Putin hat das mehrfach gesagt.

Die Ängste der Russen dagegen spielen in der politischen Öffentlichkkeit keine Rolle, obwohl sie durch die Politik der USA und der NATO angeheitzt werden:


Ende Februar zum Beispiel stellte sich im estnischen Narva ein US-Panzer mit Sternenbanner am Grenzübergang zu Russland auf.

Bei einem solchem Bild erinnere ich mich an den 27. Oktober 1961, als sowjetische und amerikanische Panzer sich in Berlin gefechtsbereit gegenüber standen und die Welt

von einem Dritten Weltkrieg nur durch einen weißen Grenzstrich in der Berliner Friedrichsstraße getrennt war, wie Chruschtschow das damals ausdrückte.

Im März dieses Jahres fanden sich 3.000 NATO-Soldaten mit 750 Panzern und schwerem Gerät zu Manövern im Baltikum ein.

NATO-Marine-Schiffe probten im Schwarzen Meer.

Stützpunkte an Russlands Grenzen werden erweitert und neue Militär-Strukturen dort geschaffen.

Die von den USA dominierte NATO agiert mit zunehmender Aggressivität.


Das verschärft die Lage! Macht Angst vor einem Krieg.

Da frage ich einfach mal: Wie würden wohl die USA reagieren, würde Russland beispielsweise gleiches in Venezuela oder auf Kuba tun?

Zu dieser Vorstellung brauchen wir ja nicht einmal viel Phantasie.

Es gibt ja ein historisches Beispiel aus dem Jahre 1962, als die Menschheit kurz vor einem von den USA angedrohten Atomkrieg stand.


Nein, liebe Freunde, die Zukunftsvision eines friedliebenden Europa zerschellte nicht in der Ostukraine, auch nicht auf der Krim.

Sie zerbrach schon in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als NATO - Staaten Jugoslawien bombardierten.

Sie machten damit aus dem Kalten einen heißen Krieg. Erstmals seit 1945. Und das mitten in Europa.

Russland und Putin werden hierulande politisch instrumentalisiert, um deutsche Verantwortung in der Welt militärisch zu begründen, die Aufrüstung

der NATO- Staaten zu rechtfertigen und mehr Geld für die Aufrüstung zu bekommen.

Dazu wird suggeriert, Putin wolle die Sowjetunion wieder herstellen.

Was für ein Quatsch!

Putin ist Oligarch und weit davon entfernt, Sozialist oder Kommunist zu sein.

Sicher weiß auch er, dass es für die Wiederherstellung der UdSSR gar keine politischen Voraussetzungen gibt.

Mir geht es auch nicht um seine Ideologie, wohl aber um die Rolle seines Landes, das aus vielerlei Gründen einen gleichberechtigten und sicheren Platz

in der Völkerfamilie verdient hat.

Ich gehöre zu jenen Deutschen, die der Meinung sind, dass die Nichtteilnahme der Bundeskanzlerin an der Militärparade anlässlich des „Tages des Sieges“

in Moskau ein politischer wie moralischer, vor allem aber ein strategischer Fehler ist.

Sie hat dem Druck der USA nachgegeben, die die Russische Föderation als „Regionalmacht“ demütigen wollen.

Dazu ein kurzer Blick in die Geschichte: Als Hitlers Krieg gegen die UdSSR begann, sagte US-Senator Truman, der spätere US-Präsident:


"Wenn wir sehen, dass Deutschland siegt, sollten wir Russland helfen, und wenn wir sehen, dass Russland siegt, sollten wir Deutschland helfen …“



Das ist genau jenes Muster, das kürzlich George Friedmann, Chef eines zwar privaten, aber weltbekannten US-amerikanischen Instituts für Strategische Studien,

in aller Offenheit für die Politik der USA seit über 100 Jahren eingestanden hat.

Er bekannte: Den USA sei es immer darum gegangen, eine Allianz zwischen Russland und Deutschland zu verhindern.

Sie berge nämlich das gefährlichste Potential in sich, denn eine solche würde eine Verbindung zwischen deutscher Technologie und deutschem Kapital

und russischen natürlichen und menschlichen Ressourcen nach sich ziehen.



Das heißt:


Deutschland und Russland sollen gegeneinander aufgehetzt werden,


damit beide Länder geschwächt werden und die USA die siegreichen Dritten sind.



Das ist eine verblüffende Offenheit.

Sie ist zwar zynisch, aber leider wahr.


Wer meiner Interpretation des Auftritts von George Friedmann misstraut,

kann sich jederzeit ein entsprechendes Video im Internet ansehen.

Er wird dies bestätigt finden.



Dass die Kanzlerin trotz des Drucks aus den USA am 10. Mai am „Grabmal des Unbekannten Soldaten“ in Moskau einen Kranz niederlegen will,

hat emotional wohl viel mit ihrem ersten Leben in der DDR zu tun.

Hier wurde der 8. Mai schon kurz nach Gründung der DDR als „Tag der Befreiung“ begangen.

Hier gehörte es zum politischen Alltag, die Befreier Deutschlands zu würdigen. Die aus der UdSSR und die ihrer Alliierten.


Frau Merkel lässt aber außer Acht, dass das Sicherheitsbedürfnis Russlands gerade auch aus einem Datum deutscher Geschichte resultiert.

Dies ist der 22. Juni 1941, als Nazideutschland wortbrüchig die UdSSR überfiel. Wer mit dieser geschichtlichen Schuld belastet ist, darf

weder „Strafaktionen“ noch „NATO Sperrspitzen“ gegen Russland unterstützen.

Vielmehr müssen alle Gelegenheiten genutzt werden, die Russland und Deutschland näher bringen.

Zu Beginn dieses Jubiläumsjahres gab Bundespräsident Gauck im Januar der DPA ein Interview.

Darin behauptet er:

„Anders als noch vor drei Jahrzehnten ist es heute in Deutschland anerkannt, dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung war“.


Herr Gauck macht damit den Eindruck, als wäre er schon damals Bundesbürger gewesen. Die DDR zählt er inzwischen gar nicht mehr zu Deutschland.

Als gewesener DDR-Bürger müsste er doch wenigstens wissen, dass in der DDR 1985 der 8. Mai schon zum 40. Male begangen worden war.

Er war Gedenktag und von 1950 bis 1966 und erneut 1985 sogar gesetzlicher arbeitsfreier Feiertag.

Der 8. Mai markiert nicht – wie das heute fälschlicherweise heißt - das Weltkriegsende.

Der Weltkrieg war erst am 2. September 1945 zu Ende, nachdem auch Japan kapituliert hatte. Zuvor hatten die USA dort noch zwei Atombomben eingesetzt.

Der 8. Mai markiert vielmehr, dass Deutschland eine 4-fache Befreiung erlebte, auch wenn das damals sehr vielen Deutschen nicht bewusst war:

Deutschland wurde befreit von der Herrschaft des Faschismus.

Es wurde befreit von dem Zwang, sich weiterhin dessen Rassenwahn zu unterwerfen.

Es wurde befreit von dem Zwang, weiter dessen Eroberungsdrang zu folgen, und

es wurde befreit von dem Zwang, sich weiter an Kriegsverbrechen und Völkermord zu beteiligen.

Es ist richtig: In der alten Bundesrepublik sprach Altbundespräsident von Weizsäcker 1985 in seiner Gedenkrede

vor dem Deutschen Bundestag zwar auch vom „Tag der Befreiung“.

Doch im Unterschied zur DDR:

Zum ersten Mal seit 40 Jahren!


Dennoch: Ein gesamtgesellschaftlicher Konsens darüber ist doch bis heute nicht gefunden worden.

Wie sonst kommt der Bundespräsident dazu, in dem genannten Interview folgendes zu behaupten:


„Woran allerdings nicht jeder Westdeutsche sofort denkt: dass dieser Tag der Befreiung für einen Teil der Deutschen, nämlich die Ostdeutschen,

eine Befreiung zu neuer Unfreiheit war“.



Eigentlich bedarf eine solche geschichtsfremde Äußerung, die dazu der Überzeugung sehr vieler Ostdeutscher widerspricht,

keines Kommentars, stünde dahinter nicht der Versuch, die Geschichte des 20. Jahrhunderts umschreiben zu wollen.

Wie komme ich zu einer solchen Meinung?

Im Juni 2013 hielt Herr Gauck vor dem „Deutsch-russischen Forum“ in Potsdam eine Rede, über die eine Zeitung titelte[1]:


„Gauck rät Russland zur Aufarbeitung“

Gut, dachte ich, eigenartig zwar, dass ausgerechnet ein deutsches Staatsoberhaupt den Drang verspürt, Russland zu erklären,

wie es mit seiner Geschichte umzugehen hat.

Den Russen zu sagen, was gut und was schlecht für ihr Land ist. Eine gewisse Zurückhaltung, so meine Meinung, wäre angesichts unserer belasteten

Geschichte für deutsche Politiker angebracht.

Das bedeutet keineswegs, dass ich von einer allgemeinen „deutschen Kollektivschuld“ spreche, die auch nachgeborene Generationen

für deutsche Verbrechen im Zweiten Weltkrieg verantwortlich macht.

Nein, das tue ich nicht.

Aber Politiker haben die Verantwortung, sensibel mit geschichtlichen Tatsachen umzugehen.



Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Und zu diesen Tatsachen zählt, dass von den über 50 bis 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges

nach neuesten Zahlen allein 28 Millionen Sowjetmenschen waren, darunter die Mehrheit Russen.

Sollte nicht allein dies für Deutschland Anlass sein, einen ähnlich behutsamen Umgang mit Russland zu pflegen wie die Bundesrepublik es beispielsweise mit Israel macht?

Nun gut, dachte ich, Herr Gauck sieht das anders. Er hielt ja im vergangenen Jahr zum 75. Jahrestag des Kriegsbeginns in Polen auch eine stark antirussische Rede,

in der er es nicht für notwendig hielt, auf die russischen Opfer des Krieges hinzuweisen.


Also schauen wir mal, was Russland nach seiner Meinung denn überhaupt aufarbeiten soll?


Und da lese ich:

„Nur, wer seine Schuld eingesteht, kann seine Vergangenheit aufarbeiten“.



Soweit so gut.

Ziemlich allgemein, meine ich.

Doch Herr Gauck überträgt diese von ihm formulierte Norm auch auf die deutsch-russische Geschichte.


Und er macht es ziemlich autoritär.

"Sie haben Pech, aber ich betrachte mich als Fachmann auf diesem Gebiet",

so stellte er sich den russischen Teilnehmern der 15. Potsdamer Begegnungen vor.


Und dann kommt der folgende Gedanke des Herrn Gauck:


• In Deutschland und Russland habe es schreckliche Diktaturen gegeben.

Eine selbstkritische Geschichtsschreibung habe Deutschland jedoch geholfen, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Das Land habe erst zu sich und später zu anderen gefunden, als es sich seine Kriegsverbrechen eingestand.




Mit Blick auf Russland formulierte er dann:

Trauere eine Nation jedoch ihrem vergangenen imperialen Mythos nach und selektiere ihr historisches Wissen, erschwere sie sich

den Weg in eine zivile Gesellschaft.



Wie anders soll man das verstehen als einen Hinweis darauf, dass nun auch Russland Reue zeigen müsse?

Offensichtlich geht es dem Bundespräsidenten um die Schuldfrage am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.


Ein Streit um die Geschichte ist ja immer auch ein Streit um die Gegenwart.


Die Umdeutung der Geschichte ist inzwischen mit einer Neuverteilung der Schuld verbunden.


Herr Gauck gehört ja zu den Erst-Unterzeichnern der sogenannten Prager Erklärung vom 3. Juni 2008, die dazu auffordert,

den 23. August, also den Tag der Unterzeichnung des sogenannten „Hitler-Stalin-Paktes“ als europäischen Gedenktag zu begehen.



Das heißt: Es wird relativiert.

Man will zwei Schuldige am Krieg haben: Hitler und Stalin.

Nicht Deutschland allein, sondern im Bunde mit der Sowjetunion!

Seit langem ist zu beobachten, dass auch in Deutschland Politiker, Historiker und Medien, die gesamte Geschichte des 20. Jahrhunderts

„antisowjetisch“ und „antirussisch“ interpretieren.



Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Demzufolge formulierte auch der Präsident des Deutschen Bundestages, Lammert, aus Anlass des 75. Jahrestages

des Kriegsbeginns am 10. September vergangenen Jahres folgendes:

„ Dem deutschen Überfall war ein diplomatisches Schurkenstück vorausgegangen, … ein Angriffspakt zweier ideologischer Antipoden“,

… die sich „darauf verständigt hatten, Mitteleuropa mit imperialer Brutalität in Einflusssphären untereinander aufzuteilen.“[2]



Man muss wirklich kein Stalinverteidiger sein, um auf die historische Tatsache hinzuweisen, dass Hitler seine Kriegsziele schon Jahre

vor dem angeblichen „Schurkenstück“ festgelegt hatte.

Dieses „Schurkenstück“ heißt übrigens historisch korrekt nicht „Hitler-Stalin-Pakt“, sondern „Nichtangriffsvertrag zwischen

dem Großdeutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“.

Man mag viele Argumente gegen den Vertrag vorbringen können.

Auch viele deutsche Kommunisten waren damals und auch später irritiert, dass die Sowjetunion einen Vertrag mit Hitler-Deutschland

abgeschlossen hatte und dass dazu auch noch eine Geheimabkommen gehörte.

Doch, daraus zu schließen, auch die Sowjetunion sei schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, geht an den Realitäten vorbei.

Bei allem Zweifel an dem deutsch-sowjetischen Vertrag darf niemals vergessen werden:

Hitler plante und führte den Krieg von Anfang an als einen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.


Schon in seinem Buch „Mein Kampf“ hatte er die Eroberung von „Lebensraum im Osten“ verkündet.

Er wollte einen Krieg gegen den „jüdischen Bolschewismus“, was sein Synonym für Sowjetunion war.

Dass die sowjetische Führung angesichts dieser Pläne alle Versuche unternahm, diesen Krieg so weit wie möglich hinauszuschieben

und dabei in erster Linie an ihre eigenen Bürger und an ihre eigene Sicherheit dachte, ist ihr ja wohl nicht zu verdenken.

Fragen wir einen Zeitzeugen, der über die Rolle der UdSSR in der Vorkriegszeit besser Bescheid weiß als ideologische Geschichtsdeuter.

Ich meine den konservativen britischen Premierminister Winston S. Churchill.

Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Der Zweite Weltkrieg“[3], wofür er 1953 sogar den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Darin analysiert er auch das Streben Russlands nach einer Europäischen Sicherheit, die Inaktivität des Westens in dieser Frage

und sowjetischen Vorschläge für die Verteidigung der durch das Münchener Abkommen bedrohten Tschechoslowakei.



Churchill kommt zu dem bemerkenswerten Schluss:

„Das Angebot Russlands wurde einfach übergangen. Man warf die Macht der Sowjets nicht in die Waagschale gegen Hitler

und behandelte die Russen mit einer Gleichgültigkeit - um nicht zu sagen Verachtung – die in Stalins Einstellung ihre Spuren zurückließ…

Dafür mussten wir später teuer bezahlen.“




Und an anderer Stelle notiert der Mann, der zu den Großen Drei des Gipfels von Jalta zählt, Folgendes:

„ Am 16. April (1939) machte sie (gemeint ist die Sowjetunion) dennoch ein formales Angebot….

für die Schaffung einer gemeinsamen Front zu gegenseitiger Hilfeleistung zwischen Großbritannien, Frankreich und der UdSSR.

Die drei Mächte, wenn möglich mit Teilnahme Polens, sollten außerdem die Grenzen derjenigen Staaten in Mittel- und Osteuropa garantieren,

die von der deutschen Aggression bedroht waren.“



Nachdem das alles durch Schuld des Westens nicht funktionierte, kam Churchill zu der Schlussfolgerung:


„ Russland musste für seine Sicherheit sorgen“.



Der Abschluss des Vertrages zwischen Deutschland und der Sowjetunion sowie die territorialen Entscheidungen der Sowjetunion nannte Churchill

für die Sowjetunion „lebenswichtig“, jedenfalls auch im „höchsten Maße realistisch.“


Wenn man diese Fakten kennt, kann man nur zu dem Urteil kommen:

Die nachträgliche Beurteilung des Verhaltens der Sowjetunion in der Vorkriegszeit ist der Versuch, eine neue Geschichte des Zweiten Weltkrieges zu schreiben.


Vor allem aber, deutsche Schuld zu relativieren, so wie das auch schon mit dem Ersten Weltkrieg war, der kaum noch als imperialistischer Krieg bezeichnet wird,

sondern in den man „traumwandelnd“ hineingezogen wurde.

Ist es angesichts solcher Bewertungen verwunderlich, dass das offizielle Deutschland nicht widersprach, als der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk kürzlich

im Ersten Programm des öffentlich – rechtlichen Fernsehens Deutschlands den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion als Okkupation bewerte?


Er behauptete gar, die russische Armee sei damals als Okkupant „in die Ukraine und nach Deutschland einmarschiert.“


Solche Geschichtsverfälschungen sollen die Russische Föderation als Siegermacht diskreditieren.

Dementsprechend wird auch der Sieg über den Faschismus relativiert, weil angeblich die „richtige“ Befreiung nicht 1945,

sondern erst 1991 mit dem Untergang der UdSSR erfolgte.

Demzufolge ist auch klar, warum für bestimmte Kreise in Deutschland der 9. November 1989 wichtiger ist als der 8. Mai 1945.


In Vorbereitung auf diese Veranstaltung fand ich einen interessanten historischen Text, der auch das Lieblingsthema von Herrn Gauck „Schuld und Sühne“ behandelt.

Er stammt vom 11. Juni 1945.

In der Ostzone und später in der DDR war er das Fundament unserer antifaschistischen Politik sowie der Bildung und Erziehung.

Da Originaltexte immer überzeugender sind als verschwommene Kommentare, noch dazu nachträgliche, möchte ich ein Zitat einführen,

selbst auf die Gefahr hin, dass dieses manchen von Euch zu lang erscheint.

Aber leider sind heutzutage solche historischen Dokumente, vor allem, wenn sie aus kommunistischer Quelle kommen, nur schwer zugänglich.

Auch wenn Wortwahl und Ausdrucksweise nicht mehr unbedingt dem heutigen Sprachgefühl entsprechen, sagt der Text viel Grundsätzliches

darüber aus, warum die DDR ein antifaschistischer Staat wurde.




Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!









Es handelt sich um den Aufruf des ZK der KPD vom 11. Juni 1945, also gut vier Wochen nach der deutschen Kapitulation,

in dem es auszugsweise heißt:



„Die Schuld und Verantwortung (am Krieg) tragen die gewissenlosen Abenteurer und Verbrecher….

Es sind die Hitler und Göring, die Himmler und Goebbels, die aktiven Anhänger und Helfer der Nazipartei.

Es sind die Träger des reaktionären Militarismus, die Keitel, Jodl und Konsorten.


Es sind die imperialistischen Auftraggeber der Nazipartei, die Herren der Großbanken und Konzerne, die Krupp … und Siemens. …


Der Sinn ihres Krieges waren nicht Ideale; sie kämpfen um die ukrainischen Weizenfelder, um das kaukasische Erdöl, um den Reichtum der Welt. ..!


Dafür wurde das nationale Dasein unseres Volkes aufs Spiel gesetzt.


Der totale Krieg Hitlers – das war der ungerechteste, wildeste und verbrecherischste Raubkrieg aller Zeiten!


Das Hitlerregime hat mit seiner Politik der Aggression und der Gewalt, des Raubes und des Krieges, der Völkervernichtung

…unser Volk ins Unglück gestürzt und es vor der gesamten gesitteten Menschheit mit schwerer Schuld und Verantwortung beladen. ….


Ein Verbrechen war die gewaltsame Annexion Österreichs, die Zerstückelung der Tschechoslowakei.

Ein Verbrechen war die Eroberung und Unterdrückung Polens, Dänemarks, Norwegens, Belgiens, Hollands und Frankreichs, Jugoslawiens und Griechenlands.

Ein Verbrechen, das sich so furchtbar an uns selbst rächte, war die Ausradierung englischer Städte.

Das größte Kriegsverbrechen Hitlers aber war der heimtückische, wortbrüchige Überfall auf die Sowjetunion,

die nie einen Krieg mit Deutschland gewollt hat, aber seit 1917 dem deutschen Volke zahlreiche Beweise

ehrlicher Freundschaft erbracht hat. …


Und ungeheuerlich sind die Gräueltaten, die von den Hitlerbanditen in fremden Ländern begangen wurden.


An den Händen der Hitlerdeutschen klebt das Blut von vielen, vielen Millionen gemordeter Kinder, Frauen und Greise.


In den Todeslagern wurde die Menschenvernichtung Tag für Tag fabrikmäßig in Gaskammern und Verbrennungsöfen betrieben.

Bei lebendigem Leibe verbrannt, bei lebendigem Leibe verscharrt, bei lebendigem Leibe in Stücke geteilt, – so haben die Nazibanditen gehaust!

Millionen Kriegsgefangene und nach Deutschland verschleppte ausländische Arbeiter wurden zu Tode geschunden, starben an Hunger, Kälte und Seuchen.


Die Welt ist erschüttert … angesichts dieser beispiellosen Verbrechen, dieses grauenerregenden Massenmordens, das von Hitlerdeutschland

als System betrieben wurde.


Wäre gleiches mit gleichem vergolten worden, deutsches Volk, was wäre mit dir geschehen?


Aber auf der Seite mit der Sowjetunion, England und den Vereinigten Staaten an der Spitze,

stand die Sache der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Fortschritts.


Die Rote Armee und die Armeen ihrer Verbündeten haben durch ihre Opfer die Sache der Menschheit vor der Hitlerbarbarei gerettet. …

Umso mehr muss in jedem deutschen Menschen das Bewusstsein und die Scham brennen, dass das deutsche Volk einen bedeutenden Teil Mitschuld und Mitverantwortung

für den Krieg und seine Folgen trägt.


Nicht nur Hitler ist schuld an den Verbrechen, die an der Menschheit begangen wurden!

Ihr Teil Schuld tragen auch die zehn Millionen Deutsche, die 1932 bei freien Wahlen für Hitler stimmten, obwohl wir Kommunisten warnten:


"Wer Hitler wählt, der wählt den Krieg!"


Ihr Teil Schuld tragen alle jene deutschen Männer und Frauen, die willenlos und widerstandslos zusahen, wie Hitler die Macht an sich riss, wie er alle

demokratischen Organisationen, vor allem die Arbeiterorganisationen, zerschlug und die besten Deutschen einsperren, martern und köpfen ließ.


Schuld tragen alle jene Deutschen, die in der Aufrüstung die "Größe Deutschlands" sahen und im wilden Militarismus, im Marschieren und Exerzieren das

alleinseligmachende Heil der Nation erblickten.


Unser Unglück war, dass Millionen und aber Millionen Deutsche der Nazidemagogie verfielen, dass das Gift der tierischen Rassenlehre,

des "Kampfes um Lebensraum" den Organismus des Volkes verseuchen konnte. ..


So wurde das deutsche Volk zum Werkzeug Hitlers und seiner imperialistischen Auftraggeber.


…Gegen den Willen eines geeinten und kampfbereiten Volkes hätte Hitler niemals die Macht ergreifen… können….

Wir deutschen Kommunisten erklären, dass auch wir uns schuldig fühlen, indem wir es trotz der Blutopfer unserer besten Kämpfer infolge einer Reihe unserer Fehler

nicht vermocht haben, die antifaschistische Einheit der Arbeiter, Bauern und Intelligenz entgegen allen Widersachern zu schmieden, im werktätigen Volk die Kräfte

für den Sturz Hitlers zu sammeln,

in den erfolgreichen Kampf führen und jene Lage zu vermeiden, in der das deutsche Volk geschichtlich versagte.


Nach all dem Leid und Unglück, der Schmach und Schande, nach der dunkelsten Ära deutscher Geschichte, heute, am Ende des "Dritten Reiches", wird uns auch der

sozialdemokratische Arbeiter Recht geben, dass sich die faschistische Pest in Deutschland nur ausbreiten konnte, weil 1918 die Kriegsschuldigen und

Kriegsverbrecher ungestraft blieben, weil nicht der Kampf um eine wirkliche Demokratie geführt wurde, weil die Weimarer Republik der Reaktion freies

Spiel gewährte, weil die Antisowjethetze einiger demokratischer Führer Hitler den Weg ebnete und die Ablehnung der antifaschistischen Einheitsfront

die Kraft des Volkes lähmte.


Daher fordern wir:


Keine Wiederholung der Fehler von 1918!

Schluss mit der Spaltung des schaffenden Volkes!

Keinerlei Nachsicht gegenüber dem Nazismus und der Reaktion.

Nie wieder Hetze und Feindschaft gegenüber der Sowjetunion;

denn wo diese Hetze auftaucht, da erhebt die imperialistische Reaktion ihr Haupt!



….Werde sich jeder Deutsche bewusst, dass der Weg, den unser Volk bisher ging, ein falscher Weg, ein Irrweg war,

der in Schuld und Schande, Krieg und Verderben führte!“











Soweit, liebe Anwesende, ein Auszug aus einem Dokument, das 70 Jahre alt ist.

Es zeigt den antifaschistischen Geist, der uns heutzutage abgesprochen und als Mythos diskreditiert wird.

Ich stelle deshalb diesen Text einer Passage aus der Rede des Bundespräsidenten zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz entgegen.

Er sagte dort:

„Der staatliche Antifaschismus der DDR diente allerdings auch als Ersatz für fehlende demokratische Legitimation.

Und indem er die Gesellschaft pauschal von der rechtlichen und moralischen Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen freisprach, beförderte auch

er das Verdrängen von Versagen und Schuld, gerade auch des sogenannten "kleinen Mannes"….

Er ersparte ihm die Selbstreflexion und ermöglichte dem Belasteten und teilweise sogar noch dem Schuldigen, sich auf die Seite der Guten zu schlagen,

zu den antifaschistischen Siegern.

Das Gedenken galt zudem fast nur den Widerstandskämpfern. An die jüdischen Opfer, die aus Gründen der Rassenideologie ausgelöscht worden waren,

erinnern die Gedenkstätten im Osten Deutschlands angemessen erst seit dem Untergang der DDR“.




Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Prüfen wir gemeinsam den Wahrheitsgehalt des Textes aus der Rede des Bundespräsidenten:

Er meint, der staatliche Antifaschismus der DDR sei Ersatz für fehlende demokratische Legitimation.

Da fällt mir zu erst ein, dass 1949 in der ersten Adenauerregierung mehr NSDAP-Mitglieder saßen als in der ersten Hitler-Regierung 1933.


Und da frage ich mich schon: Wessen Legitimation moralisch und politisch höher zu bewerten ist, die der ehemaligen Nazis, die so zahlreich unter Abgeordneten

des ersten Deutschen Bundestages und der ersten Bundesregierung saßen?

ODER aber derjenigen, die gegen Hitler gekämpft und unter ihnen gelitten hatten?


Allein von den rund 300 000 Mitgliedern, die die KPD 1933 zählte, wurden etwa 150 000 von den Nazis verfolgt, eingekerkert oder in Konzentrationslager verschleppt.

Zehntausende Mitglieder der Partei wurden ermordet[4].

Von den 519 Delegierten des ersten Nachkriegsparteitages der KPD, waren 3 Genossen zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt,

141 Teilnehmer hatten zusammen 831 Jahre Zuchthaus, 64 Delegierte hatten 132 Jahre Gefängnis abgesessen,

215 Delegierte waren zusammen 637 Jahre in Konzentrationslagern[5].


Der Antifaschismus soll nach Herrn Gauck die Gesellschaft pauschal von der rechtlichen und moralischen Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen

freisprechen haben?

Soll so das Verdrängen von Versagen und Schuld des sogenannten "kleinen Mannes" gefördert haben?

Wie sollten denn Schuld und Versagen überhaupt verdrängt werden können?

Hätte die DDR denn allein die große Last der Reparationen tragen können, wenn sich ihre Bürger nicht der Schuld bewusst gewesen wären,

die Deutschland mit dem Krieg auf sich geladen hatte?

Vielleicht denkt der Bundespräsident einmal darüber nach, was es für die DDR bedeutete, dass ganz Deutschland den Krieg verloren hatte,

aber die DDR allein dafür zahlen musste.

Die Sowjetunion konnte wegen der ungeheuren Zerstörung ihres Landes auf Wiedergutmachung nicht verzichten.

Die DDR-Reparationsleistungen an die Sowjetunion und an Polen waren 25-mal höher als die Reparationen der alten Bundesrepublik.


Auf pro Kopf der Bevölkerung umgerechnet zahlte jeder DDR-Bürger 16 124 DM für Reparationen, während auf einen Bundesbürger gerade mal 126 DM kamen.


Die DDR-Bürger zahlten mit Würde, Entbehrungen und in Kenntnis der Zerstörungen, die die deutsche Wehrmacht vor allem in Polen und der Sowjetunion angerichtet hatte.


Das wäre undenkbar gewesen, hätte die DDR auch nur im Ansatz die Naziverbrechen verdrängt.



Und noch eins:

Die DDR hat dem vereinten Deutschland keine unbezahlten Reparationsleistungen hinterlassen – wie beispielsweise die alte BRD gegenüber Griechenland!


Wenn ich höre oder lese, wie deutsche Amtsträger, selbst Minister, gegenwärtig über griechische Erinnerungen an die Verbrechen der Nazis reden,

dann komme ich zu dem einzig möglichen Schluss:

Das ist deutsche Kraftmeierei ohne jede Demut, ohne das man peinlich berührt ist, dass die griechischen Opfer nach so vielen Jahren

auf sich aufmerksam machen müssen.

War es nicht auch die Anerkennung deutscher Schuld, dass die DDR schon 1950 durch das Görlitzer Abkommen die Oder- Neiße-Grenze

als endgültige deutsche Ostgrenze anerkannt hat?

Die Bundesrepublik musste dazu erst 1990 durch die vier Siegermächte gezwungen werden.

Ohne diese Anerkennung hätte es nämlich keine deutsche Einheit gegeben.

Der Antifaschismus soll nach Herrn Gauck dem „kleinen Mann“ die kritische Selbstreflexion erspart haben und dem Belasteten und Schuldigen sogar noch ermöglicht haben,

sich auf die Seite der Guten zu schlagen, zu den antifaschistischen Siegern?

Abgesehen davon, dass in der DDR die Teilung der Gesellschaft in „kleiner Mann“ und „großer Mann“ nicht üblich war, unterschied die DDR genau zwischen den

Nazi- und Kriegsverbrechern einerseits, die ohne pardon bestraft wurden, und den sogenannten „Mitläufern“, die nach Gründung der DDR eine Chance

zur Wiedereingliederung erhielten, andererseits.


Unmöglich aber war in der DDR, dass Nazirichter Recht sprechen oder Nazilehrer in den Schulen unterrichten durften.


Weiß denn Herr Gauck wirklich nicht, dass die Zahl der verurteilten Nazitäter in der DDR doppelt so hoch war wie in der BRD,

obwohl dort mehr als dreifach so viele Menschen lebten?


Ist ihm wirklich nicht bekannt, dass Adenauer schon seine erste Regierungserklärung am 20. September 1949 nutzte, um zu erklären:

„Durch die Denazifizierung ist viel Unglück und viel Unheil angerichtet worden.“[6]


1950 fügte er noch hinzu:

Es müsse endlich Schluss sein mit der ganzen „Naziriecherei“.


Im April 1951 kam dann das sogenannte „131er Gesetz“, das die Wiedereinsetzung

ehemaliger Nazijuristen und Nazibeamten gesetzlich bestimmte.


Das alles gab es tatsächlich in der DDR nicht.



Und weiter von Herrn Gauck:

Das Gedenken soll fast nur den Widerstandskämpfern gegolten haben.

An die jüdischen Opfer, die aus Gründen der Rassenideologie ausgelöscht worden waren,

sollen wir weniger erinnert haben?


Ja, es stimmt. In der DDR wurden die Widerstandskämpfer hoch geehrt.

Die aus dem Bürgertum wie Hans und Sophie Scholl, die Militärs vom 22. Juli 1944, die jüdischen und die kommunistischen.



Heutzutage wird dagegen der kommunistische Widerstand klein geredet.


Thälmann-Denkmäler werden entsorgt, aber der Stegbügelhalter Hitlers, Herr von Hindenburg, bleibt im Ehrenbürgerbuch der Hauptstadt Berlin unangetastet.


Für die DDR war der antifaschistische Widerstandskampf ein Teil – sicher ein bescheidener, aber dennoch ein Teil der Anti-Hitler-Koalition.


Vielleicht sollte Herr Gauck einmal das

Buch „Die erste Reihe“ des deutsch-jüdischen Schriftstellers Stephan Hermlin

zur Hand nehmen, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.


Mir schenkte ein Freund diese einzigartige Darstellung des antifaschistischen Widerstandes junger Deutscher zu meinem 14. Geburtstag.

Es hat mich in meiner antifaschistischen Grundhaltung stark beeinflusst.



Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!




Es ist unwahr, dass wir die jüdischen Opfer von der Ehrung ausgeschlossen hätten.


Ich habe die DDR-Wirklichkeit anders erlebt.


Schon 1947 beindruckte mich der Film „Ehe im Schatten“.

Als wir beispielsweise in der Schule „Nathan der Weise“ oder Heines Gedichte und Reiseberichte lasen,

fanden meine Lehrer immer eine inhaltliche Verbindung zwischen der deutschen Literatur einerseits und dem Völkermord an den Juden.


Tief betroffen gemacht hat mich die bewegende Ballade des kommunistischen Dichters

Johannes R. Becher „Kinderschuhe aus Lublin“,

dessen letzte Strophe ich bis heute erinnere:

•„Der Kindermord ist klar erwiesen.

• Die Zeugen all bekunden ihn.

• Und nie vergess ich unter diesen

• die Kinderschuhe aus Lublin“.




Was wir damals über die Leiden der Juden und die Verbrechen der Nazis an ihnen in diesem deutschen KZ auf polnischen Boden erfuhren,

habe ich trotz jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema bisher in keinem Lehrplan bundesdeutscher Schulen finden können.

Man brauchte in der DDR wirklich nicht zu irgendwelcher Untergrundliteratur greifen oder in kirchliche Gruppen gehen,

um sich über den Massenmord an den Juden zu informieren.

Mit Begeisterung habe ich als Jugendlicher das

„Tagebuch der Anne Frank“

[7] gelesen.


Jahre später empfing ich als Stellvertreter des DDR- Staatsratsvorsitzenden am 19. September 1989 in Berlin Miep Gies,

die letzte Überlebende aus dem Umkreis von Anne Frank.

Sie hat das Tagebuch Anne Franks der Nachwelt bewahrt.


Sie schenkte mir ihr eigenes, in der DDR in hoher Auflage herausgegebenes Buch „Meine Zeit mit Anne Frank“,

mit den Worten:

Anne wäre stolz, wie in der DDR ihr Erbe behütet wird.


Miep Gies würdigte auch, dass der Kinderbuchverlag der FDJ das Tagebuch

von Anne Frank in mehreren Auflagen herausgab.

Zusätzlich erschien es in der Tageszeitung „Junge Welt“ mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren.


Als ich 1976 ins Politbüro kam, war ein Jude mein Sitzungsnachbar:

Herrmann Axen [8].


An warmen Sommertagen trug er ein kurzarmiges weißes Polohemd.

Dann konnte ich seine ihm von der SS eingebrannte Häftlingsnummer erkennen: 58787 war sie.

Sie erinnert mich noch heute an seine Leidenszeit in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald.


Zu meinen Mitstreitern im Politbüro gehörte auch Albert Norden [9],

Sohn eines im KZ Theresienstadt ermordeten Oberrabbiners.


Leute wie sie und ihre Gefährten hätten Antisemitismus in der DDR nicht zugelassen.

Juden und Nichtjuden lebten nach meiner Wahrnehmung in der DDR im Wesentlichen in Eintracht, was nicht ausschließt, dass es im Detail auch Ausnahmen gab.

Dass aber das deutsche Staatsoberhaupt keine seiner Gedenkreden auslässt, um wider besseres Wissen den Antifaschismus

in der DDR zu diskreditieren, lässt mich nach dem Warum fragen?

Die Antwort finde ich in einer Rede, die Bundesjustizminister Kinkel schon 1991 vor bundesdeutschen Richtern und Staatsanwälten gehalten hat

und die seit fast 25 Jahren von den Herrschenden des Landes in allen Variationen abgearbeitet wird.


Er sagte ja nicht nur:

"Ich baue auf die deutsche Justiz. Es muss gelingen, das SED-System zu delegitimieren“.


Nein, er begründete auch warum?


Das SED-Regime habe, so behauptete er,


„seine Rechtfertigung aus antifaschistischer Gesinnung, angeblich höheren Werten und behaupteter absoluter Humanität hergeleitet ---,

während es unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus einen Staat aufbaute, der in weiten Bereichen genauso unmenschlich war wie das faschistische Deutschland."



Übersehen wir großzügig diese Indoktrination und wenden uns der Gegenwart zu:


Wäre es für den Bundespräsidenten nicht geraten, zu schauen, wie denn die Themen, die er an der DDR kritisiert,

gegenwärtig in bundesdeutschen Schulen behandelt werden?


Da erzählte mir jemand, er habe in einer Abiturklasse die Frage gestellt, was denn der Kalte Krieg gewesen sei?

Und die Antwort sei gewesen: Der sei im kalten Winter geführt worden.



So etwas lässt doch nur den Schluss zu, dass man vor lauter Kritik an der DDR einen miserablen Geschichtsunterricht duldet.


Welche politischen Wirkungen solche Politik hat, zeigt eine Umfrage, die zum 65. Jahrestag der Befreiung die Illustrierten „Stern“ erhob:

„Knapp die Hälfte der Bundesbürger (45 Prozent) konnte die Frage nicht beantworten, was am 8. Mai 1945 in Deutschland geschah.

Besonders groß ist die Unwissenheit unter den Jüngeren: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen wussten nicht, dass

die Wehrmacht an dem Tag bedingungslos kapitulierte und somit der Zweite Weltkrieg in Europa beendet wurde.


Besser informiert sind die Älteren (hier wussten es nur 35 Prozent nicht)

und über alle Altersklassen hinweg die Ostdeutschen (nur 28 Prozent falsche Antwort).


Schlecht informiert sind die Deutschen auch über die Zahl der Opfer auf sowjetischer Seite.

Nur 18 Prozent konnten richtig angeben, dass im Zweiten Weltkrieg weit mehr als 20 Millionen sowjetische Soldaten und Zivilisten getötet wurden“.



Ist es nicht geradezu eine Dreistigkeit, wenn Funktionsträger dieses Staates die Lehrer nicht etwa dazu auffordern, mehr zu tun,

um Wissen über die düsterste Zeit deutscher Geschichte zu vermitteln, sondern sie dafür kritisieren, dass die Schüler nicht genügend

von der „SED-Diktatur“ wissen?


Doch noch einmal zurück zu dem historischen Text von 1945:

Gibt es einen westdeutschen oder gesamtdeutschen Text einer Partei oder einer Institution, in dem die deutsche Schuld so klar analysiert wurde,

in dem die gesellschaftlichen Ursachen der Katastrophe benannt und auch Schlussfolgerungen für die Zukunft gezogen wurden?

Ich kenne des Gleichen nicht!

Mir ist aber aufgefallen, dass in der Rede des Bundespräsidenten zum Jahrestag von Auschwitz nicht einmal der Name „IG-Farben“ gefallen ist,

die an dem Massenmord in Auschwitz verdient haben.


Und aufgefallen ist mir auch, das er sehr oft das Wort „Nationalsozialismus“ benutzt,

also jenen Begriff, mit dem sich die Nazis selbst titulierten.


In der DDR Schule hat er das nicht gelernt.

Da sprachen wir vom deutschen oder Hitler-Faschismus.

Und auch international nannten sich die Gegner Hitlers Antifaschisten.

Auffällig ist mir ferner, dass er bei seiner Sprachgewaltigkeit, die ihm eigen ist,

immer den zweiten Teil dieses Begriffs besonders betont.


Offensichtlich soll immer wieder die Grundhaltung suggeriert werden, ob Real- oder Nationalsozialismus, beides gehört zusammen.


Dabei war der „Nationalsozialismus“ weder national noch sozialistisch.

Er war einmalig verbrecherisch und mit nichts auf der Welt vergleichbar, schon gar nicht mit der DDR.



Der Bundespräsident hat offensichtlich andere Literatur bevorzugt als aus der DDR.

In einer seiner jüngsten Gedenkreden bekannte er:

„Als ich aufwuchs, gab es in unserem Haushalt noch die sogenannte patriotische Literatur über deutsche Kriegshelden,

die Seekriegsflotte, U-Boot-Helden oder die berühmten Jagdflieger.“



Der Bundespräsident ist Jahrgang 1940.

Kaum anzunehmen, dass er schon als 5-Jähriger von dieser Literatur wusste.

Eher wahrscheinlich, dass er damit auch später Umgang hatte.

In meinem zu Hause jedenfalls gab es solche Literatur nicht.

In der Schule schon gar nicht.

In der DDR war sie nämlich von Anfang an verboten.


Ich wäre auch als Kind nicht auf die Idee gekommen, von „deutschen Kriegs- und U-Boot- Helden und „berühmten Jagdflieger(n)“ zu sprechen

und diese Literatur auch noch „patriotisch“ zu nennen.

Das hängt mit meiner antifaschistischen Erziehung in der DDR zusammen, die ich solange mir das möglich ist, verteidigen werde.


Das bin ich auch meinem russischen Freund schuldig, dessen Meinung zum 70. Jahrestag des Sieges ich zu Beginn meiner Rede zitierte.




[1] Vergleiche „Badische Zeitung“ 4. Juni 2013.

[2] Zitiert nach Redetext des Bundestagspräsidenten in der Sitzung des Parlaments vom 10. September 2014.

[3] Winston S. Churchill: „ Der Zweite Weltkrieg“, Mit einem Epilog über die Nachkriegsjahre, Bern – München-Wien. (1948), Sonderausgabe 1995.

[4] Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung in acht Bänden, Bd. 5, S. 436..

[5] G. Benser: Die Struktur der KPD und ihres Kaders (1945/46). In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung 4/1997, S. 33.

[6] Vergleiche: 1. Deutscher Bundestag, Stenografisches Protokoll, 20. September 1949, S. 22-30.

[7] Jüdisches Mädchen. Emigrierte 1933 mit ihren Eltern von Deutschland nach Amsterdam. Schrieb dort, vor den deutschen Faschisten versteckt, ein erschütterndes Tagebuch, das nach Kriegsende entdeckt und veröffentlicht wurde.

    Es erreichte in der DDR eine Millionenauflage.

[8] Hermann Axen, Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der SED, kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Faschismus, von 1940 bis zur Befreiung 1945 Häftling in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald.

[9] Albert Norden, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, Mitglied der KPD seit 1920, Widerstandskämpfer gegen den Faschismus, 1939 interniert in Frankreich, Hauptautor des 1965 in der DDR veröffentlichten „Braunbuchs

    über Nazi- und Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik“.









Dr. Sarah Wagenknecht (MdB) im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur am 04.11.2014:











Das, was dort in Thüringen vereinbart wurde oder vereinbart wird, im Zusammenhang mit der Betrachtung der DDR-Geschichte ist nicht nur zutiefst verlogen und ungeheuerlich. Es ist auch absolut unverdaulich, dass in so eklatanter Weise bezüglich der DDR-Geschichte alle Tatsachen auf den Kopf gestellt werden - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow






















Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

Die DDR und ihre Geschichte

Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow









Praktizierte Solidarität und Menschlichkeit | Von Dr. Regina Girod, Berlin | Zum 80.Geburtstag von Professor Dr. theol. Heinrich Fink aus Berlin am 31.März 2015.








Rolf Wischnath:
Warum Heiner Fink verurteilt wurde








Zu den am meisten behördlich und medial diffamierten Personen gehört Prof. Dr. theol. Heinrich Fink aus Berlin. Er ist Bundesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA). Die gegen ihn verbreiteten Darstellungen beruhen auf Lügen. Was wirklich mit Heinrich Fink geschah, schildert dieser in Nr. 9 von Ossietzky.




Im Kampf gegen die Abberufung von Prof. Dr. theol. Heinrich Fink als Rektor der Humboldt-Universität zu Berlin skandierten die Studenten vor 25 Jahren: Unseren Heiner nimmt uns keiner!




Wie die Humboldt-Universität gewendet wurde. Erster frei gewählter Rektor Prof. Dr. Heinrich Fink stellt seine Erinnerungen vor. Ein neuer Dekan, ehemaliger Generalsstabsoffizier der Waffen-SS, verkündete ... [Zitat]















Vom Umgang mit Stasiakten


Professor Dr. Heinrich Fink:


... Ich danke Ihnen für die heitere Besonnenheit der Aktionen in der Öffentlichkeit. Sie haben nicht nur in unserer Stadt Menschen zum Nachdenken darüber gebracht, daß Demokratie an der Basis praktiziert werden muß ... Die 18 Monate meines Rektorats haben immer dieses Ziel als Thema aller Bemühungen gehabt. Nun haben Sie in einer nicht nur mich ermutigenden Weise bewiesen, daß Sie in der Lage sind, Protest mit dem demokratischen Instrumentarium Ihrer eigenen Universität in Praxis umzusetzen ... Wie auch immer das Bemühen um meine Rehabilitation ausgehen mag, diese gemeinsame Erfahrung im Streit um Demokratie hat uns aufs Neue verbündet.“ [Zitat]


Erschienen in Ossietzky 6/2012



















Jahresmitgliederversammlung des gemeinnützigen Vereins "Grüne Welt & M-V Kulinaris" e. V.


Ribnitz-Damgarten. Am Dienstag, dem 16. Dezember 2014, um 18:00 Uhr kommen die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins "Grüne Welt & M-V Kulinaris" e. V. in der Gaststätte und Pension „Am Bodden“, Inhaber: Heinz Pahl, in Ribnitz-Damgarten, Körkwitzer Weg 21 B zu ihrer Jahresmitgliederversammlung zusammen.

Beim gemütlichen Zusammensein in einer angenehmen Atmosphäre, bei dem auch für das leibliche Wohl gesorgt ist, sollen gemeinsam die künftigen Aufgaben besprochen und Festlegungen getroffen werden, um im Jahre 2015 weiter voran zu kommen und die Vereinsarbeit wieder zu aktivieren.

Zusätzlich zu den beiden Veranstaltungsreihen


B o r g e r    G e s p r ä c h s k r e i s

und


"NATÜRLICH REGIONAL - Frische Produkte aus unserer Ostseeregion"


planen wir auch im Rahmen unseres Vereinsziels, der Förderung von Bildung, regelmäßige Veranstaltungen zur wahrheitsgemäßen Aufarbeitung der DDR-Geschichte in der neuen Veranstaltungsreihe






Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow




Die DDR und ihre Geschichte




Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow






Seit der Vereinsgründung im Jahre 2008 fanden bereits zahlreiche interessante Veranstaltungen statt, die guten Anklang fanden. Daran wollen wir anknüpfen und außerdem versuchen, weitere engagierte Mitglieder zu gewinnen.

Darüber hinaus wollen wir darüber sprechen, ob wir nach der beschlossenen Auflösung des Köchevereins "Fischland-Darß" e. V. den alljährlichen Köcheball künftig mit dem Namen "Traditionsball" weiter fortführen, weil der stets sehr gut ankam.

Ebenso könnten Bildungsveranstaltungen zu interessanten gastronomischen Themen, zur Kochkunst, zur gesunden Ernährung, zur regionalen oder internationalen Küche, zur Herstellung von Speisen und Getränken organisiert bzw. durchgeführt werden.

Eckart Kreitlow










Bodo Ramelow bezog entschieden Stellung gegen Berufsverbote








-----Original-Nachricht-----
Betreff: [AKL-MV] WG: [Kpf-informationen] E-Mail von Renate Bastian aus Marburg
zu unserer Erklärung "Zu den Entgleisungen Bodo Ramelows"

Datum: Tue, 25 Nov 2014 15:01:21 +0100
Von: "Tegge, Waltraud" wtegge@t-online.de




Zu Ramelows Äußerung MfS - Gestapo!!





-----Original-Nachricht-----
Betreff: [Kpf-informationen] E-Mail von Renate Bastian aus Marburg zu unserer Erklärung "Zu den Entgleisungen Bodo Ramelows"
Datum: Mon, 24 Nov 2014 21:13:32 +0100
Von: kpf@die-linke.de
An: kpf-informationen@info.die-linke.de







Aus unserer elektronischen Postmappe "Das Leserecho"








Liebe Genossinnen, liebe Genossen,

Genosse Bodo Ramelow hat uns darum gebeten, eine E-Mail von Genossin Renate Bastian aus Marburg allen zu übermitteln,

die unsere Erklärung »Zu den Entgleisungen Bodo Ramelows« erhalten haben.

Genossin Renate Bastian war damit einverstanden, und somit übermitteln wir Euch den E-Mail-Verkehr zur Kenntnisnahme.


Mit solidarischen Grüßen,


Ellen Brombacher, Bundessprecherin der KPF
Thomas Hecker, Bundessprecher der KPF
Jochen Traut, Landessprecher der KPF Thüringen




--

Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE
Karl-Liebknecht-Haus, 10178 Berlin, Germany
mailto:kpf@die-linke.de
http://www.die-linke.de/kpf/





From: Renate Bastian
Sent: Monday, November 24, 2014 11:56 AM
To: kpf@die-linke.de
Cc: Bodo Ramelow
Subject: Berufsverboteveranstaltung in Marburg





Liebe Genossinnen und Genossen,


natürlich könnt Ihr meinen Text verwenden.

Er ist ein Diskussionsbeitrag, eine Wiedergabe der genannten Veranstaltung und ich würde mich sogar freuen,

wenn er weitergeleitet wird und Resonanz oder Widerspruch findet.

Daraus kann man nur lernen.

Im Gewusel meiner Mails habe ich Eure Anfrage übersehen, zumal ich mich auf eine Konferenz zur Rehabilitierung

von Berufsverbot Betroffenen vorbereitet habe.

Ich habe mich in meinem Text nicht zu einem Vergleich von Stasi und Gestapo geäußert, käme auch nie auf die Idee,

das mörderische Instrument der Faschisten gleichzusetzen mit der Stasi.

Nur auch bei diesem sehr schwierigen Thema der Rolle von Geheimdiensten möchte ich um Differenzierung bitten.







Bodo Ramelow sagte zu keinem Zeitpunkt Stasi sei gleich Gestapo!








Bodo Ramelow hat zu keinem Zeitpunkt einen vordergründigen Vergleich gezogen.

Er hat zu keinem Zeitpunkt gesagt: Stasi gleich Gestapo, er hat den gravierenden Unterschied zur Nazibarbarei betont.

Ich kenne ihn nun seit vielen Jahren, auch „ politisch strukturell“, und weiß, dass ihm ein solcher Vergleich mehr als fernliegt.

Er hat vielmehr auf ein Problem hingewiesen, nämlich das der staatlichen Gewaltenteilung.

Und darüber muss man diskutieren.







Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

Die DDR und ihre Geschichte

Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow








Es gab den Entwurf der „Diktatur (Herrschaft) des Proletariats“ als Gegenentwurf zur real existierenden „Diktatur (Herrschaft) der Bourgeoisie“.

Selbst das haben wir geschafft, auf der Veranstaltung anzusprechen.

Es ist in der kurzen Zeit der Veranstaltung auch thematisiert worden, in welcher von außen bedrohlichen Lage sich die DDR befunden hat.

Dass das zu innenpolitischen Verhärtungen führte, kann man zeitgeschichtlich erklären, muss es aber aufarbeiten.

Diese Pflicht besteht.

Und noch etwas liegt mir am Herzen. Das ist die Diskussionskultur innerhalb unserer Partei.

Man muss und darf über die Wege zu unseren gemeinsamen Zielen nicht immer einer Meinung sein.

Aber man sollte sich zukunftsweisend austauschen.


Immer solidarische Grüße von Renate Bastian aus Marburg







Renate Bastian


From:kpf@die-linke.de
Sent: Wednesday, November 19, 2014 10:50 PM
To: Renate Bastian
Subject: RE: Hallo Claudia, könnte dieser Text bitte an die KPF weitergeleitet werden, mit der Bitte um Verteilung.

LG Bodo






Liebe Genossin Renate Bastian,


Bodo Ramelow hat uns über Umwege gebeten, Deine E-Mail allen zu übermitteln, die unsere Erklärung

»Zu den Entgleisungen Bodo Ramelows« erhalten haben.

Zunächst zum Inhaltlichen:

Deine Argumentation bezüglich der Formulierung

»Die Grundstruktur des Ministeriums für Staatssicherheit war wie die Gestapo angelegt.«

hat uns nicht überzeugt.

Gerade als Journalistin ist Dir vertraut, was es mit zitierfähigen Sätzen auf sich hat.

Einen solchen hat Bodo Ramelow geliefert – und die Wirkung ist immens.

Die Kritik an der Nichttrennung von Polizei und Geheimdienst in der DDR bedarf doch keines Gestapovergleichs,

der außerdem dann noch auf einer abstrakten Ebene vorgenommen wird.

Hinzu kommt:

Wenn Bodo Ramelow sich da so missverstanden fühlt, hätte er ein Dementi an alle betreffenden Zeitungen schicken können.

Nach unserer Kenntnis ist so etwas nicht geschehen.

Liebe Genossin Renate Bastian,

trotz unserer diesbezüglichen Meinungsverschiedenheit sind wir natürlich gerne bereit,

Deine E-Mail weiterzuleiten, wenn Du damit einverstanden bist.


Mit solidarischen Grüßen,


Ellen Brombacher, Bundessprecherin der KPF
Thomas Hecker, Bundessprecher der KPF
Jochen Traut, Landessprecher der KPF Thüringen




--

Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE
Karl-Liebknecht-Haus, 10178 Berlin, Germany
mailto:kpf@die-linke.de
http://www.die-linke.de/kpf/





From: DIE LINKE - Claudia Gohde
Sent: Wednesday, November 19, 2014 12:38 PM
To: kpf@die-linke.de
Subject: WG: Hallo Claudia, könnte dieser Text bitte an die KPF weitergeleitet werden, mit der Bitte um Verteilung.

LG Bodo






Im Auftrag von Bodo Ramelow an die KPF mit der Bitte um Verteilung:





Von: Bodo Ramelow
Gesendet: Mittwoch, 19. November 2014 12:35
An: DIE LINKE - Claudia Gohde
Cc: Katja Kipping; DIE LINKE - Bernd Riexinger; DIE LINKE - Matthias Höhn
Betreff: Hallo Claudia, könnte dieser Text bitte an die KPF weitergeleitet werden, mit der Bitte um Verteilung.

LG Bodo








Linke Standpunkte









Betreff: Berufsverbote


Liebe Genossinnen und Genossen der Kommunistischen Plattform,


um mich zunächst erst einmal vorzustellen:

Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr in der linken Szene.

Erst im SDS, dann in der DKP, dann in der PDS, jetzt in der Linken, lebe seit vielen Jahren in Marburg,

war dort für die DKP im Stadtparlament, heute für die Linke im Ortsbeirat meines Stadtteils.

Zusammen mit Herbert Bastian habe ich in den 1970er und 1980er Jahren gegen Berufsverbote,

die uns auch persönlich das Leben schwer gemacht haben, gekämpft.

Dass uns dieser Widerstand aufrecht gelungen ist, lag nicht zuletzt an der Solidarität.

Auslöser hierfür war die Solidarität aus den Gewerkschaften, Bodo Ramelow gehörte von Anfang an dazu.

Ich bitte, nicht zu vergessen, dass dies ihm eine geheimdienstliche Überwachung über viele Jahre lang eingebracht hat.

In Marburg fand Mitte November eine vom DGB organisierte und viel beachtete Veranstaltung zum Thema Berufsverbote statt,

die sich mit der noch immer ausstehenden Aufarbeitung dieses unrühmlichen Kapitels der „alten“ Bundesrepublik beschäftigte.

Bodo Ramelow war dabei und hat entschieden Stellung genommen.

Nicht mit einem Wimpernschlag hat er sein damaliges Einsetzen für die Meinungsfreiheit von Kommunisten relativiert.

Er hat die Forderung, dass das immer noch bestehende Verbot der KPD aufgehoben werden muss, uneingeschränkt vertreten,

weil es ein Damoklesschwert für Kommunisten und konsequente Demokraten ist.

Neben der zeitgeschichtlichen Darstellung der Berufsverbote hat die Forderung nach Rehabilitierung und Entschädigung

der Betroffenen eine Rolle gespielt.

Bodo Ramelow hat auch dies uneingeschränkt vertreten.

Das macht einen in den westlichen Bundesländern nicht gerade zum Liebling. Auch heute nicht.

Es war zu erwarten, dass auch Fragen zur DDR gestellt werden, weil uns Kommunisten damals eine zu große Identifizierung

vorgeworfen wurde.

Wir haben diesen für uns hoffnungsvollen Staat nach Kräften verteidigt.

Dazu stehe ich auch heute.

Man darf aber auch nicht die Augen verschließen, wenn es um die Aufarbeitung von Unrecht in diesem Staat geht.

Nichts anderes hat Bodo Ramelow vertreten, mit sehr viel Differenzierung.

Dass er es wichtig findet, Geheimdienste und Polizei zu trennen, müsste demokratische Normalität sein.

Mir wäre gleich eine Abschaffung des zwielichtigen Vereins lieber.

Außerdem hat er auf die „Blauhemd-Prozesse“ hingewiesen, die mir bis dato unbekannt waren.

Also, liebe Genossinnen und Genossen: erstmal genau hinschauen, bevor man urteilt.


Solidarischen Gruß von Renate Bastian aus Marburg











Aus unserer elektronischen Postmappe "Das Leserecho"







-----Original-Nachricht-----
Betreff: [AKL-MV] WG: [Kpf-informationen] Das Feld nicht räumen
Datum: Wed, 12 Nov 2014 20:20:08 +0100
Von: "Tegge, Waltraud" wtegge@t-online.de
An: Eckart Kreitlow eckartkreitlow@t-online.de




Mit solidarischen Grüßen

Waltraud





-----Original-Nachricht-----
Betreff: [Kpf-informationen] Das Feld nicht räumen
Wed, 12 Nov 2014 20:12:36 +0100
Von: kpf@die-linke.de
An: "Tegge, Waltraud" wtegge@t-online.de








Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

Die DDR und ihre Geschichte

Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow







Das Feld nicht räumen


Die Erklärung von Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi zum 25. Jahrestag des 9. November 1989

„Brücken bauen – Zeit für eine neue Erinnerungspolitik“

hat bei sehr vielen Genossinnen und Genossen zumindest Fragen aufgeworfen.


Nicht wenige sind empört. Von einem Brückenbau in die Partei hinein kann also nicht die Rede sein.


Unsere Positionen zum Umgang mit der Geschichte sind bekannt, so auch unsere begründete Ablehnung des Begriffs Unrechtsstaat.

Wir fragen die Unterzeichner der oben genannten Erklärung:

Warum seid Ihr so einsichtsvoll, wenn SPD und Grüne selbstgerecht verlangen, kein gutes Haar an der DDR zu lassen,

und warum zeigt Ihr so wenig Einfühlungsvermögen im Umgang mit all den Genossinnen und Genossen,

welche die für den Thüringer Koalitionsvertrag vorgesehene Einschätzung der DDR aus guten Gründen ablehnen?

Zugleich wenden wir uns an all jene, die in diesem Zusammenhang über einen Austritt aus der LINKEN nachdenken: Bitte geht nicht.

Wenn DIE LINKE Friedenspartei bleiben soll, dürfen auch wir das Feld nicht räumen.







Linke Standpunkte






Nachdenkend über Geschichte und Gegenwart, erinnern wir an die Zeilen

Bertolt Brechts aus dem Gedicht „An die Nachgeborenen“:



Auch der Hass gegen die Niedrigkeit

Verzerrt die Züge.

Auch der Zorn über das Unrecht

Macht die Stimme heiser. Ach, wir,

Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit,

Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird,

Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist,

Gedenkt unsrer

Mit Nachsicht.




Bundessprecher der KPF


--


Thomas Hecker, Bundessprecher
Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE
Karl-Liebknecht-Haus, 10178 Berlin, Germany
kpf@die-linke.de
http://www.die-linke.de/kpf











Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

Die DDR und ihre Geschichte

Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow










Egon Krenz: Mein Ziel war eine Wende in Richtung Perestroika Gorbatschower Art.











Aus unserer elektronischen Postmappe "Das Leserecho"








Der 9. November 1989 – Geschichte, Verlauf und Folgen

Vortrag von Egon Krenz, ehemaliger Vorsitzender des Staatsrates der DDR und Generalsekretär des ZK der SED,
am 3. November 2014 in Groningen zum 25. Jubiläum der Grenzöffnung am 9. November 1989




Meine Damen und Herren,

ein Blick in Ihre Gesichter verrät mir, dass Vertreter einer neuen Generation vor mir sitzen.

Für Sie ist die Zeit, über die ich heute sprechen soll, wahrscheinlich schon genauso weit entfernt wie Ereignisse vergangener Jahrhunderte.

Dennoch: 1989 ist immer wieder präsent. Nicht nur zu Jahrestagen.

Was sich in den Jahren von 1989 bis zum Untergang der UdSSR 1991 in Europa ereignete, hat Folgen hinterlassen.

Bis in die Gegenwart hinein.

Als damals Mauern fielen, war dies für viele Menschen mit der Hoffnung verbunden, dass keine neuen errichtet werden.

Davon sind wir aber in der Welt- und Europapolitik weit entfernt.

Mir scheint, die zurückliegenden Jahre wurden schlecht genutzt, um aus der Zeit der Zweiteilung Europas für die Gestaltung eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems zu lernen.


Am Abend des 9. November 1989 flossen beiderseits der geöffneten Grenzübergänge in Berlin
Tränen der Freude und Sekt.



Dass es kein Blut war, nennen manche noch heute ein Wunder.

Die „Berliner Mauer“ galt ja im Westen als das Symbol des Kalten Krieges schlechthin.

Die Grenze quer durch Deutschland war militärisch gesichert wie keine zweite auf der Welt. Von beiden Seiten!

Sie war Teil jener Trennlinie, die von der Ostsee im Norden bis an das Schwarze Meer im Süden die Militärblöcke NATO und Warschauer Vertrag voneinander fern hielt.

Sie war zudem System- und Wirtschaftsgrenze.

Sie war Metapher für die Zweiteilung Europas.

An dieser Grenze wurde mitentschieden, dass aus dem Kalten Krieg kein heißer wurde.

Spätestens seit dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO 1955 und der darauf folgenden Gründung des Warschauer Vertrages war dies keine „innerdeutsche Grenze“ mehr, sondern die Außengrenze der Staaten des Warschauer Vertrages.

Schon 1952 wurde sie - in Folge der Ablehnung der sogenannten Stalinnote zur deutschen Einheit durch die Westmächte – die erste strategische Verteidigungslinie der sowjetischen Armee in Europa.

An dieser Grenze und in der Tiefe des jeweiligen Hinterlandes waren Soldaten und Waffen stationiert, die ausgereicht hätten, dass sich beide gesellschaftlichen Systeme gegenseitig hätten vernichten können.


Ich nenne dafür folgende Zahlen:


Ende der 80er Jahre waren auf der BRD-Seite

900 000 NATO-Soldaten,

194 Raketenstartrampen,

4100 Artilleriesysteme,

7 800 Panzer und Selbstfahrlafetten und

1 600 Kampfflugzeuge stationiert.


Auf DDR- Seite waren es zusammen mit dem sowjetischen Bündnispartner

770 000 Soldaten,

236 Raketenstartrampen,

6 300 Artilleriesysteme,

11 300 Panzer und Selbstfahrlafetten sowie

1 050 Kampfflugzeuge.




Die DDR war im Osten das Hauptaufmarschgebiet der Warschauer Militärkoalition und die BRD im Westen das der NATO.

Der langjährige Botschafter der Sowjetunion in der DDR, P.A. Abrassimow, hat zu Protokoll gegeben, dass sich auf dem Territorium der DDR

sowjetische „Kernwaffen und andere modernste Waffenarten befanden, die in unmittelbarer Nähe zur Grenze stationiert waren.“

Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten verschwunden, obwohl US-amerikanische Atomwaffen noch heute in Deutschland lagern.







Egon Krenz in seiner Rede in Groningen:

"Das Ideal des Friedens war in der DDR Staatsdoktrin!"








Dass angesichts der militärischen Fakten und der Feindbilder, die in 45 Nachkriegsjahren auf beiden Seiten entstandenen waren, der 9. November 1989 friedlich verlief, hat weniger mit einem Wunder zu tun als damit, dass das Ideal des Friedens in der DDR Staatsdoktrin war.

Dies lag durchaus nicht in deutscher Traditionen.

Siebzig Jahre zuvor, Ende 1918/Anfang 1919, gab es in Deutschland den sozialdemokratischen Politiker Noske,

der das Schießen Deutscher auf Deutsche befohlen hatte

und von sich selbst sagte: „Einer muss der Bluthund sein."


Niemand unter den politisch und militärisch Verantwortlichen der DDR wäre 1989 auf die Idee gekommen, es ihm gleich zu tun.

Es war unser erklärtes Ziel: Politisch entstandene Konflikte dürfen nicht durch Gewalt, schon gar nicht durch militärische, gelöst werden.

Wenn schon von Wundern die Rede sein soll, dann hat das Wunder konkrete Namen.

Es waren die Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR, die an jenem 9. November vor 25 Jahren die Friedfertigkeit garantierten.


Sie sind die eigentlichen Helden dieses Ereignisses.


Ihr Handeln gehört zum politischen Erbe der DDR, die sich ohne Blutvergießen aus der Geschichte verabschiedet hat, was viel über ihr Wesen aussagt.




Der 9. November 1989 hat seine Geschichte.


Sie ist widersprüchlich.

Sie wird unterschiedlich interpretiert, je nachdem, in welchem politischen oder weltanschaulichen Lager man steht.

Geschichtsinterpretation ist ja bekanntlich immer interessengebunden.

Fakten sollten aber Fakten bleiben und nicht durch Ideologie ersetzt werden.


Ich werde versuchen, mich an Tatsachen zu halten, die ich entweder selbst erlebt oder aus mir zugänglichen Akten entnommen habe:





Interview auf YouTube


Egon Krenz: Mein Ziel war eine Wende in Richtung Perestroika Gorbatschower Art.










1. Der 13. August 1961

Die DDR verstand sich als souveräner Staat, der eng mit der UdSSR verbunden war und dem Warschauer Vertrag angehörte.

Sie war sich bewusst, dass ein Staat, der zu einem Militärbündnis gehört, wichtige Souveränitätsrechte an das Bündnis abtritt.

Das war früher so und das ist wohl bis heute so geblieben.

Das hat auch Bundesminister Wolfgang Schäuble auf einem Treffen mit Bankiers im Juni 2012 eingestanden, als er sagte:

„Wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen."

Man sagte bei uns scherzhaft, unser Land sei die größte DDR der Welt.

Doch trotz dieses Selbstbewusstseins wollte und konnte sie nicht im Alleingang weltpolitische Entscheidungen wie die vom 13. August 1961 treffen.

Die Sektorengrenzen in Berlin waren von den Alliierten des Zweiten Weltkrieges schon 1945 festgelegt worden.

Erst 16 Jahre nach Kriegsende und 12 Jahre nach Gründung der DDR wurden sie militärisch gesichert.

Was sich am 13. August 1961 vollzog war eine kollektive Entscheidung eines Gipfeltreffens der Warschauer Vertragsstaaten, das vom 3. bis 5. August 1961 in Moskau stattfand.

Zur Erinnerung: Damals hieß es im Westen, die DDR sei ein „Satellitenstaat“, ein „Agent des Kreml“, ein „verlängerter Arm Moskaus“.

In der alten BRD gab es die sogenannte Hallsteindoktrin, nach der die DDR hätte gar nicht existieren dürften.


Heute dagegen suggerieren manche Politiker und Medien den Eindruck, als sei allein die DDR für alles Ungemach des Kalten Krieges zuständig gewesen.

Ausdruck findet das unter anderem auch in der absurden Behauptung, Ulbricht habe Chruschtschow zum Mauerbau gezwungen.


Belegt dagegen ist: Als der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin (West) Willy Brandt sich bei dem amerikanischen

Präsidenten Kennedy über die Grenzsicherungsmaßnahmen in Berlin beschwerte, antwortete Kennedy ihm,

die Schließung der Grenze „zeigt eine grundsätzliche sowjetische Entscheidung, die nur Krieg verändern könne.“

Überliefert ist ferner, dass Kennedy den Mauerbau mit den Worten kommentierte:


„Das ist keine sehr schöne Lösung, aber eine Mauer ist verdammt noch mal besser als ein Krieg."



Wie Recht er damit hatte, zeigt ein Datum, an das leider kaum noch erinnert wird:


Ich meine den 27. Oktober 1961.


Es gibt ein Foto davon, wie in der Berliner Friedrichstraße, dem sogenannten Checkpoint Charlie, sich sowjetische und amerikanische Panzer gegenüberstehen.

Mit laufenden Motoren.

Ihre Besatzungen konnten sich auf ca. 100 Meter Entfernung gegenseitig in die Rohre blicken.

Die westliche Seite befehligte US-Weltkriegsgeneral Clay und die östliche der kriegserfahrene sowjetische Marschall Konjew.

Beide standen in direkter Verbindung mit ihren jeweiligen Oberkommandierenden, dem amerikanischen Präsidenten bzw. dem sowjetischen Regierungschef.

Chruschtschow sagte wenige Tage später:

Nur ein weißer Grenzstrich trennte die Welt von einem Dritten Weltkrieg.






Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

Die DDR und ihre Geschichte

Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow







Am 13. August 1961 haben die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges in Berlin faktisch ihre Interessenssphären zementiert.

Man kann auch höflicher sagen:

Es handelte sich um einen historischen Kompromiss zwischen den Westmächten und der UdSSR.


Kein Zufall also, dass ausgerechnet am Tag des Mauerbaus Kennedy segelte, de Gaulle sich auf seinem Landsitz befand, Macmillian auf Jagd war,

Adenauer nicht seinen Wahlkampf unterbrach und alle es unterlassen hatten, Chruschtschow und Ulbricht daran zu hindern,

die Grenzsicherungsanlagen errichten zu lassen.

Ein Krieg um Berlin war ihnen ein zu hoher Preis.


Jahre später, im September 1988, wird auch Willy Brandt, nun als Ehrenvorsitzender der SPD, den 13. August 1961 als ein „Datum der Erleichterung“ für die Westmächte bezeichnen.

Leider hat es an dieser Grenze auch Opfer gegeben.

Jeder Tote oder Verletzte an der Grenze war einer zu viel.

Das DDR-Staatsoberhaupt Walter Ulbricht hat dazu schon 1964 Stellung genommen.

Der damalige BBC Korrespondent Paul Oestreicher hatte ihn gefragt:

„Sind Schüsse an der Mauer nicht ein viel zu hoher Preis?“.

Ulbricht antwortete darauf: „Jeder Schuss an der Mauer ist zugleich ein Schuss auf mich.

Damit liefere ich dem Klassenfeind die beste Propagandawaffe.

… den Frieden aufs Spiel zu setzen, würde aber unendlich mehr Leben kosten.“

Der Ruf „Die Mauer muss weg“ stammt nicht aus jener Zeit.

Er kam erst Ende der achtziger Jahre auf.

Vorher war er bei der Mehrheit der Bevölkerung keineswegs konsensfähig.

Das hing auch damit zusammen, dass damals nach Meinung vieler Ostberliner das eigentliche Datum des Mauerbaus der 20. Juni 1948, der Tag der Einführung einer separaten Währung in Berlin (West) war.

Berlin war seit der Währungsreform eine Stadt mit zwei verschiedenen Währungen, der konvertierbaren Deutschen Mark und der nichtkonvertierbaren alten Reichsmark bez. später der Mark der DDR.

Dies war zum Vorteil der West- und zum Nachteil der Ostberliner.

Der Fetisch D-Mark, in Westberliner Wechselstuben zu einem spekulativen Kurs in DDR-Währung eintauschbar, hatte 1961 zu einer Blüte des Schwarzmarktes an DDR-Arbeitskräften geführt.

65 000 Grenzgänger, die im Westberlin arbeiteten und in Ostberlin wohnten und dort konsumierten ohne dafür dort etwas geleistet zu haben, waren offiziell registriert.

Über 100 000 waren es in Wirklichkeit.


Abwerbungen von Fachleuten waren an der Tagesordnung.


Hohe Qualifikation zum Nulltarif über die Grenze.

Das konnte die DDR mit ihren ungleich höheren Kriegsbelastungen im Vergleich zur BRD nicht länger verkraften.

Der Schaden, der der DDR durch die offene Grenze zugefügt wurde, beläuft sich auf einen Betrag, der von unabhängigen Gutachtern zwischen 100 und 130 Milliarden DM beziffert wird, gerechnet nach Preisen des Jahres 1961.

Das entspricht ungefähr der Summe, die Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg an Reparationen gegenüber den Siegermächten aufzubringen hatte.

Viele Menschen in der DDR zogen diese Fakten ins Kalkül, wenn sie über die Mauer sprachen.

Ihr Einverständnis mit Bemühungen der DDR, einen Ausverkauf des Landes zu verhindern, war größer als heute gemeinhin anerkannt wird.

Daher gab es - von Ausnahmen abgesehen - bis 1989 auch keine landesweiten Proteste gegen die Grenzsicherungsmaßnahmen.


2. Berlin (Ost) und Berlin (West) in den 70er und 80er Jahren

Zehn Jahre nach dem Mauerbau einigten sich 1971 die vier Siegemächte auf ein Abkommen.

Doch selbst die Bezeichnung dieses Abkommens war strittig.

In der Bundesrepublik wurde es „Viermächteabkommen“ genannt; in der DDR „Vierseitiges Abkommen“.

Das kleine russische Wort „Связи» wurde sogar zum Zankapfel der Politiker in beiden deutschen Staaten.

In der DDR wurde es korrekt als „Verbindungen“ ins Deutsche übersetzt, womit die Verkehrswege von und nach Berlin (West) gemeint waren.

Die BRD übersetzte es als „Bindungen“ und leitete daraus ihre Rechte für Berlin (West) ab, die sie nach DDR-Meinung nicht hatte, da Westberlin kein Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland war.

Ob das politische Barometer zwischen Ost und West auf Spannung oder Entspannung stand, entschied sich oft in Berlin.

Als beispielsweise Bundeskanzler Kohl Gorbatschow mit dem Kriegsverbrecher Goebbels verglichen hatte, erwartete die Sowjetunion als Signatarmacht des oben genannten Abkommens von der DDR, alle für Westberlin geplanten Projekte zum 750 jährigen Bestehen von Berlin auf Eis zulegen.

Darunter auch bereits vereinbarte Zugeständnisse im Reiseverkehr, im Kulturaustauch und in humanitären Angelegenheiten.

Die sowjetische Seite betrachtete das Fehlverhalten des Bundeskanzlers zu Recht als Beleidigung nicht nur des Generalsekretärs Gorbatschow, sondern des sowjetischen Volkes, das im Kampf gegen den Faschismus über 28 Millionen Opfer zu beklagen hatte.

Angesichts dieser Sachlage solidarisierte sich die DDR mit Gorbatschow.

Ich komme auf das Problem der vier Mächte in Berlin an anderer Stelle noch einmal zurück, weil es am Morgen des 10. November 1989 bei der Beurteilung der Grenzöffnung durch Moskau eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat.

Zwischen 1985 und 1989 nahmen die internationalen Auseinandersetzungen um die Mauer an Schärfe zu.

Am 16. April 1985 besuchte Gorbatschow das Brandenburger Tor.

Dieser Besuch gewann an Bedeutung, weil er – wie seine Vorgänger auch - zugleich der „Oberste Befehlshaber der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages“ war.

Nachdem er sich über die Grenzsicherungsanlagen informiert hatte, schrieb er bewegt in das Gästebuch des Stadtkommandanten von Berlin:

„Am Brandenburger Tor kann man sich anschaulich davon überzeugen, wieviel Kraft und Heldenmut der Schutz des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden vor den Anschlägen des Klassenfeindes erfordert.

Die Rechnung der Feinde des Sozialismus wird nicht aufgehen…...

Ewiges Andenken an die Grenzsoldaten, die ihr Leben für die sozialistische DDR gegeben haben.”

Soweit von mir unkommentiert die Bewertung der Grenzsicherungsanlagen in Berlin durch Generalsekretär Gorbatschow.

Auch US-Präsident Reagan kam ans Brandenburger Tor.

Dies war am 12. Juni 1987.

Er wandte sich damals nicht an Honecker oder die DDR-Regierung.

Ihm war bewusst, wer letztlich über diese Grenze entscheidet.

Mit dem ihm eigenen Pathos rief er aus: „ Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor, …Reißen Sie die Mauer nieder!“

Dies wurde von der sowjetischen Regierung scharf zurückgewiesen.

Als Bundespräsident von Weizäcker in Moskau Gast von Gorbatschow war, hatte der KPdSU Generalsekretär ihm gesagt, Jalta und Potsdam würden nicht revidiert werden.

In einem vertraulichen Papier hatte Gorbatschow die DDR-Führung wissen lassen, dass er dem Bundespräsidenten in aller Schärfe gesagt habe, die „deutsche Zweiteilung und die Berliner Mauer seien historische Tatsachen und kein Verhandlungsgegenstand“.

Allerdige verschwieg Gorbatschow in seiner Mitteilung an Honecker, dass er zum Bundespräsidenten auch gesagt hatte:

„Was in 100 Jahren sein wird, entscheidet die Geschichte."

Wir erfuhren dies erst aus bundesdeutschen Medien.

Das weckte Misstrauen bei Erich Honecker, weil er darin ein Anzeichen dafür sah, dass Moskau - das 1971 darauf bestanden hatte, dass die DDR die deutsche Frage für abgeschlossen erklärt - sie nun wieder für offen hält.

Honeckers Argwohn wurde durch ein Fernsehinterview verstärkt, das der sowjetische Außenminister Schewardnadse im Januar 1989 am Rande des KSZE Abschlusstreffens in Wien gab.

Auf die Frage eines Reporters, was aus der Berliner Mauer werden solle, antwortete er: »Da müssen Sie Fischer fragen.«

Lächelnd fügte er hinzu: »Und natürlich Genscher. «

Hatte sich Chruschtschow in seinen Erinnerungen noch dazu bekannt, selbst den Befehl zum Mauerbau gegeben zu haben, wollte Schewardnadse die Verantwortung nun der DDR und ein bisschen auch der BRD zuschieben.

Am 12. Juni 1989 korrigierte Gorbatschow während seines Staatsbesuch in Bonn seinen Außenminister mit den Worten des für die Grenze Kompetenten:

„Die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben.“

Ähnlich hatte es Honecker zu Jahresbeginn auch gesagt.

Die Einheit der Auffassungen zur Berliner Mauer zwischen Gorbatschow und Honecker waren also noch im Sommer 1989 identisch.


Am 7. und 8. Juli 1989 fand eine Tagung des Politisch-Beratenden Ausschusses in Bukarest statt.

Dies war das höchste politische Gremium der Staaten des Warschauer Vertrages.

Es tagte in einer politischen Ausnahmesituation.

Krisen in Staaten der Gemeinschaft gab es in regelmäßigen Abständen: DDR 1953, Ungarn 1956; Polen 1956, 1970 und 1980, Tschechoslowakei 1968.

Es waren in der Regel Krisen in einem oder in einigen Ländern, nie aber war die sozialistische Gemeinschaft als Ganzes betroffen.

1989 erlebte ich in Bukarest zum ersten Mal, dass die sozialistische Staatengemeinschaft nicht mehr funktionierte.

Der Sozialismus in Europa mit seinem Kernland Sowjetunion befand sich bereits in einer tiefen Existenzkrise.

Darin sah die DDR eine Gefahr nicht nur für den europäischen Kontinent.

Die Bipolarität der Welt war zusammen mit dem militär-strategischen Gleichgewicht so etwas wie ein Regulator der Friedenssicherung.

Jede Seite wusste von der anderen, dass sie sich in ein Kriegsabenteuer nur bei Strafe des eigenen Untergangs einlassen kann.

Die sozialistischen Staatsoberhäupter bewegte damals die Frage:

Wie steht es um den Kalten Krieg?

Ist er zu Ende?

Die ungarische Führung meinte: „Ja.“

Gorbatschow hielt zu diesem Zeitpunkt noch dagegen.

Am Vortag, dem 6. Juli 1989, war er Gast des Europarates.

Vor der Parlamentarischen Versammlung hatte er beklagt, dass die Einmischung der NATO in die inneren Angelegenheiten der sozialistischen Länder den Kalten Krieg neu belebt.

„Die Schwierigkeit bestehe darin“, sagte er, „dass der Westen die Überwindung der Spaltung Europas als Überwindung des Sozialismus versteht.“

Er antwortete damit dem amerikanischen Präsidenten George Bush.

Dieser hatte Ende Mai auf dem NATO-Gipfel in Brüssel gefordert, die Sowjetunion in die „Wertegemeinschaft des Westens“ zu holen.

Gorbatschow sah dies als verbalen Angriff der NATO auf sein Land.

Für ihn waren die Beschlüsse der NATO-Ratstagung Ausdruck einer neuen Konfrontation.

Er warnte davor, dass „eine Destabilisierung in Osteuropa unvorstellbare gefährliche Folgen für den ganzen Kontinent in sich birgt.“

Nur wenige Tage danach startet US-Präsident George Bush einen politischen Generalangriff auf Gorbatschows Politik.

Er besuchte Warschau und Budapest, um dort für Reformen im Sinne des Westens zu werben.

In Budapest machte er deutlich: Es wird keine Kombination von „östlicher Macht“ und „westlicher Technologie“ geben.

Der amerikanische Präsident ließ keinen Zweifel daran, dass die USA Ungarn nur dann wirtschaftlich und finanziell helfen würden, wenn das politische System des Landes grundlegend im Sinne der USA verändert wird.

Der ungarische Ministerpräsident Nemeth übergab an Bush symbolisch ein Stück des ab 2. Mai 1989 abgebauten ungarischen Grenzzauns zu Österreich.

Dabei legte er Wert auf die Feststellung, dass alle „ physischen und geistigen Trennmauern beseitigt werden“.

Mit diesem Ziel im Gepäck flog er zusammen mit Außenminister Gyula Horn am 25. August 1989 in geheimer Mission nach Bonn.

Ohne den Bündnispartner DDR vorher zu informieren, teilten sie dem Bundeskanzler mit: „Ungarn hat sich entschlossen, den DDR-Bürgern die freie Ausreise zu erlauben.”

Die Bundesregierung gewährte Ungarn dafür einen günstigen „Kredit“ von über 500 Millionen DM.

Zu dieser Zeit wurde im Westen das Bukarester Dokument bewusst falsch interpretiert.

Suggeriert wurde, die Sowjetunion habe die „Breschnew-Doktrin“ der begrenzten Souveränität der Mitgliedsstaaten aufgegeben und eine Gorbatschow-Doktrin der „Freiheit der Wahl" verkündet.

Die Medien bezogen sich dabei auf die Formulierung, nach der die Beziehungen der Warschauer Vertragsstaaten „auf der Grundlage der Gleichheit, Unabhängigkeit und des Rechtes eines jeden Einzelnen,

selbstständig seine eigene politische Linie, Strategie und Taktik ohne Einmischung von außen auszuarbeiten" entwickeln zu können.

Das war allerdings nichts Neues.

So etwas hatten fast alle Vorgänger Gorbatschows auch gesagt.

Breschnew zum Beispiel hatte 1968 formuliert, die Aufgabe bestehe darin, „die Prinzipien der Gleichberechtigung aller Länder des Sozialismus, ihre Souveränität und Unabhängigkeit sowie die Nichteinmischung in ihre inneren Angelegenheiten konsequent zu wahren.“

Was sollten sowjetische Spitzenpolitiker auch anders sagen?

Etwa den Vorwurf des Westens bestätigen, dass die Verbündeten sowjetische Satelliten seien?

Nein, in Bukarest wurde in dieser Beziehung überhaupt nichts aufgehoben, sondern Bekanntes lediglich bestätigt.

Gorbatschow hat nie behauptet, jedes Land könne nach Belieben aus dem Warschauer Vertrag oder dem RGW austreten.

Am 13. März 1985, er war gerade zwei Tage Generalsekretär des ZK der KPdSU, hatte er seine osteuropäischen Kollegen in den Kreml eingeladen.

Ich begleitete Honecker. Gorbatschows Hauptsorge galt der Verlängerung des Warschauer Vertrages.

Die grundlegenden Bedenken, die damals der rumänische Staatschef zur Verlängerung des Vertrages vortrug, wurden von Gorbatschow ohne Bedenken vom Tisch gewischt.

Wenn es tatsächlich eine Doktrin der „völligen Entscheidungsfreiheit“ der sowjetischen Bündnispartner gegeben haben sollte, dann wurde sie vor der DDR-Führung geheim gehalten.

Der politischen und militärischen Führung der DDR wurde sie jedenfalls nie mitgeteilt.

Sowjetische Militärs sind der DDR gegenüber auch 1989 von gemeinsamen politischen Interessen ausgegangen.

Zudem existierte ein Beistandspakt zwischen der UdSSR und der DDR, der nie gekündigt worden war.

Selbst wenn die UdSSR bereit gewesen sein sollte, Bulgarien, die ČSSR, Polen, Ungarn und Rumänien in die volle Souveränität zu entlassen, so war das bei der DDR anders.

Die DDR war für die Sowjetunion immer ein Sonderfall.

Jede sowjetische Führung berücksichtigte zu Recht, dass die Sowjetunion bei der Befreiung Deutschlands vom Faschismus die Hauptlast getragen hatte.

Anschaulich zeigt das auch folgender Vorgang:

Ende Juni 1989 nahm ich eine Mitteilung der sowjetischen Führung entgegen, die an Erich Honecker gerichtet war.

Ein Exemplar war in Deutsch. Eins in Russisch. Moskau teilte uns darin mit:

„Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland ist in Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte umbenannt worden.

Der Status dieser Truppen, wie er im Vertrag über die Beziehungen zwischen der UdSSR und der DDR vom 20. September 1955 und in den anderen bilateralen Vereinbarungen bestimmt wird,

sowie die Rechte und Verantwortung, die sich aus den in der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit erzielten

und die gültigen Vereinbarungen und Beschlüssen der UdSSR, der USA, Großbritannien und Frankreich ergeben, bleiben unverändert.“

Die Sowjetunion dachte nicht daran, ihre Rechte für Deutschland aus der Nachkriegszeit aufzugeben.

Mir war das plausibel.

Die Westalliierten gaben ja ihre Rechte in der Bundesrepublik auch nicht auf.

Die sowjetische Entscheidung über die Westgruppe ihrer Streitkräfte ist aber alles andere als eine „Doktrin für die Freiheit der DDR“.

Der Gipfel von Bukarest war kaum vorbei, spitzte sich die Situation in der DDR in bisher nie gekannter Form zu.

Im Sommer, als Schulferien waren, begann ein Urlauberansturm auf Ungarn.

Ungarn war das beliebteste Reiseziel der DDR-Bürger und seit Jahren ein geeigneter Treff für Familien aus der DDR und der BRD.

Nun kam die Zeit, als sich die bundesdeutsche Botschaft in Budapest mit DDR-Bürgern zu füllen begann.

Am 19. August hatte der „Thronfolger der Österreichisch – Ungarischen Monarchie“, Otto von Habsburg, an der österreichisch-ungarischen Grenze ein sogenanntes „Friedens-Picknick“ veranstaltet.

Hunderte kamen und durchbrachen auf ungarischer Seite den Grenzzaun ohne auf Widerstand von Seiten der Grenzschützer zu stoßen.

Am 10. September ließ dann die ungarische Regierung verlauten, dass ab Mitternacht auch für DDR-Bürger die Grenzen nach Österreich geöffnet würden.

Damit hatte die Trennlinie zwischen NATO und Warschauer Vertrag ihr erstes Loch.

Als DDR-Bürger später auch in der CSSR in die bundesdeutsche Botschaft flüchteten, ließ die DDR-Führung unter Erich Honecker zynisch erklären, man weine denen, die uns verlassen hätten, keine Träne nach.

DDR-Bürger antworteten darauf mit Protesten unter der Losung „Wir bleiben hier“ und wenig später auch mit dem Slogan „Wir sind das Volk“.

Das waren keine Forderungen für die Abschaffung der DDR oder für die deutsche Einheit.

Es ging um innere Reformen in der DDR. Die politische Führung unter Erich Honecker reagierte darauf nicht.

Schnell kam dafür die Bezeichnung „Sprachlosigkeit“ auf. Diese hat die innere Lage der DDR dramatisch zugespitzt.

In dieser Zeit traf ein Brief des sowjetischen Außenministers an seinen DDR-Kollegen Oskar Fischer ein.

Datiert ist er vom 1. September 1989.

Interessant die Wortwahl Schewardnadses.

Er nennt die Botschaftsbesetzungen von DDR-Bürgern „Exzesse der letzten Zeit, die durch Versuche einer nicht geringen Zahl von DDR-Bürgern, illegal in die BRD zu gelangen, hervorgerufen wurden.“

Als Quelle für dieses Verhalten nennt Schewardnadse die „Ansprüche der BRD auf das Obhutsrecht für alle Deutschen“.

Dies könne, so der sowjetische Politiker, zu jedem Zeitpunkt „in Gang gesetzt werden, um erneut Spannungen und Konflikte in den zwischenstaatlichen Beziehungen zu erzeugen.“

Schewardnadse empfiehlt, „die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf das Problem der Nichtanerkennung der Staatsbürgerschaft der DDR seitens der BRD und auf die Folgen dieser Nichtanerkennung zu lenken.“

Er erwähnt, „ dass die Beschlüsse der KSZE über Freizügigkeit kaum auf die Beziehungen zwischen der DDR und der BRD anwendbar sind, da wegen der Haltung letzterer zur Staatsbürgerschaft die völkerrechtlichen Voraussetzungen für die Zusammenarbeit beider Länder in dieser Frage fehlen.“

Schließlich meinte er, wenn die DDR androhen würde, „die Zahl der Übersiedler in diesem und nächsten Jahr spürbar zu verringern“, könnte dies im Vorfeld zu den Bundestagswahlen die Bonner Regierung zum Nachdenken über diese Frage veranlassen“.

Diese Leitsätze waren politisch durchaus richtig. Allerdings wusste auch die sowjetische Seite, dass die alte BRD über Jahrzehnte hinweg alle Zugeständnisse der DDR zum Reise- und Besucherverkehr zwischen beiden deutschen Staaten dadurch torpediert hatte, dass sie nicht bereit war, die Staatsbürgerschaft der DDR zu respektieren.

Im Herbst 1989 waren wir schon längst nicht mehr Herr der Situation, um darauf angemessen reagieren zu können.

Die Bedingungen wurden der DDR nun schon von Bonn aus diktiert.

In der Konsequenz verleitete Schewardnadses Brief Erich Honecker zu der Fehlentscheidung, im Interesse der Wahrung der Hoheitsrechte der DDR die Züge, die die Botschaftsbesetzer aus Prag in die Bundesrepublik bringen sollten, über das Hoheitsgebiet der DDR fahren zu lassen.

So kam es in Dresden zu ernsthaften Auseinandersetzungen der Staatsmacht mit Menschen, die mit den Zügen mitfahren wollten.

Ab Anfang Oktober gab es dann auch offene Auseinandersetzungen in der DDR-Führung.

Ich hatte zusammen mit weiteren DDR-Politikern die Initiative zur Absetzung Honeckers ergriffen.

Am 18. Oktober 1989 wurde ich zum SED-Generalsekretär und am 24. Oktober zum Staatsoberhaupt der DDR gewählt.

Ich sprach damals von einer „Wende“, die erreicht werden müsse.

Ich verstand darunter eine Erneuerung der DDR nach dem Beispiel der „Perestroika“ in der Sowjetunion.

Mir war noch nicht klar, dass Gorbatschow mit dieser Politik schon im eigenen Land gescheitert war.

Er sagte mir damals, sein Ausspruch, wer zu spät komme, den bestrafe das Leben, sei nicht auf die DDR, sondern auf ihn selbst gemünzt gewesen.

Auch er sei mit seinen Reformvorstellungen viel zu spät gekommen.

Als ich meine Funktionen übernahm, habe ich öffentlich versprochen, dass das Reisen von DDR- Bürger auch ins westliche Ausland gesetzlich geregelt wird.

Freies Reisen stand an der Spitze der Forderungen der Bürger an ihren Staat.

Der Vorschlag der neuen DDR-Führung sah vor, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, der öffentlich diskutiert und noch vor Weihnachten im Parlament, der Volkskammer, beschlossen werden sollte.

Jeder DDR-Bürger sollte einen Reisepass erhalten und reisen können, wann und wohin er wollte.

Mich bedrückte allerdings die Frage: Wer soll das bezahlen?

Unsere Währung war – wie ich bereits erwähnte - nicht konvertierbar.

Die Bundesrepublik berechnete jeden gefahrenen Kilometer eines DDR-Bürgers mit der Bundesbahn in Devisen.

Wir gingen von 12 bis 13 Millionen Reisenden aus.

Dafür hätte eine Summe von 3 bis 4 Milliarden DM zur Verfügung stehen müssen.

Unsere Valutasituation ließ große Sprünge nicht zu.

Wir konnten den Reisenden kaum zusätzlichen Devisen umtauschen.

Die Bundesregierung hat unsere Vorschläge für einen gemeinsamen Reisefonds, in den beide Staaten eingezahlt hätten, abgelehnt.


3. Gespräch mit Gorbatschow

Ein wichtiges Datum auf dem Wege zum 9. November 1989 war mein Gespräch mit Gorbatschow am 1. November in Moskau.

Dabei fragte ich ihn:

„Michael Sergejewitsch, welchen Platz räumt die Sowjetunion beiden deutschen Staaten im gesamteuropäischen Haus ein?

Im Westen gibt es Spekulationen, dass im Europäischen Haus für die DDR kein Platz mehr ist.“


Gorbatschow macht auf mich den Eindruck, als habe er meine Frage nicht verstanden.

Ich ergänze daher: Die DDR entstand nach dem Zweiten Weltkrieg und im Ergebnis des Kalten Krieges.

Sie ist also auch ein Kind der Sowjetunion.

Es ist für mich wichtig zu wissen, ob ihr zu eurer Vaterschaft steht?“

Ich wollte aus erster Hand erfahren, was die Sowjetunion mit der DDR vorhat.

Gorbatschow reagiert überrascht:

„Wo denkst du hin?“ fragte er und informiert darüber, dass seine Genossen kürzlich mit Zbignew Brzezinski gesprochen hätten.

Sie hätten ihn gefragt, „ob sich die USA eine Wiedervereinigung Deutschlands vorstellen könnten“.

Brzezinski habe geantwortet, „für ihn wäre das der Zusammenbruch“.

Als ahne Gorbatschow mein Misstrauen, sagt er:

„Ich begrüße, dass du die Frage nach der Existenz der beiden deutschen Staaten aufgeworfen hast.

Auch in meinen jüngsten Gesprächen mit Margaret Thatcher, François Mitterrand, aber auch mit Jaruzelski und Andreotti ist klar geworden,

dass sie von den Realitäten der Nachkriegszeit, einschließlich der Existenz zweier deutscher Staaten, ausgehen.

Die Fragestellung nach der Einheit Deutschlands werde von allen als äußerst explosiv betrachtet.

Sie wollen auch nicht, dass der Warschauer Vertrag und die NATO aufgelöst werden.

Sie sind für ein Verbleiben Polens und Ungarns im Warschauer Vertrag.

Das Gleichgewicht in Europa dürfe nicht gestört werden, weil niemand weiß, welche Folgen das hat.

Auch die USA beziehen bisher eine ähnliche Haltung.“






Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

Die DDR und ihre Geschichte

Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow







Gorbatschow schlussfolgert daraus:

„Nach meiner Meinung besteht die beste Politik darin, die bisherige Linie der sozialistischen Länder in der deutschen Frage weiterzuführen.“

„Die DDR“, so Gorbatschow, „muss bei ihren Beziehungen zur BRD drauf achten, nicht in die Umarmung dieses Staates zu geraten.

Es gibt keinen Grund, Vermutungen anzustellen, wie sich die deutsche Frage einmal lösen wird.

Die Einheit Deutschlands steht nicht auf der Tagesordnung der aktuellen Politik.

Darüber hat sich die Sowjetunion mit ihren früheren Partnern aus der Zeit der Anti-Hitler-Koalition geeinigt.

Genosse Krenz, übermittle dies bitte den Genossen des SED-Politbüros“, fasste Gorbatschow seinen Standpunkt zusammen.

Es sei an der Zeit, so Gorbatschow weiter, auf Kanzler Kohl stärkeren Druck auszuüben.

Er habe auf das Pferd des Nationalismus gesetzt.

In der BRD würde mit diesem Thema wild spekuliert.“

Das, meine Damen und Herren, ich unterstreiche es, war noch am 1. November 1989!

Wenn man die Ereignisse danach überblickt, ist kaum nachvollziehbar, wie schnell sich Gorbatschows Meinung geändert hat.

Damals wusste ich allerdings auch noch nicht, dass Gorbatschows Mitarbeiter bereits hinter dem Rücken der DDR Kontakte zum Bundeskanzleramt aufgenommen hatten,

um zu erkunden, was die Bundesrepublik bereit wäre für eine mögliche deutsche Einheit zu zahlen.

Nach meinem Gespräch mit Gorbatschow erhielt ich bei einem Mittagessen im Kreml vom Chef des KGB, Kruschkow, eine Mitteilung, die im Zusammenhang mit dem 9. November eine große Bedeutung haben wird.

Er sagte mir: „Wir haben Informationen, dass Extremisten versuchen könnten, die geplante Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin zu nutzen, um das Brandenburger Tor zu stürmen“.

Ähnliches hörte ich sowohl von den polnischen Sicherheitsorganen und auch vom Ministerium für Staatsicherheit der DDR.

Mir war nicht klar, ob es sich um ein Gerücht oder um eine aufgeklärte wirkliche Absicht handelte.

Um keinerlei Risiko einzugehen, arbeitete der Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, Generaloberst Streletz, in meinem Auftrag einen Befehl aus, in dem es wörtlich heißt:


„Die Anwendung der Schusswaffe im Zusammenhang mit möglichen Demonstrationen ist grundsätzlich verboten.“


Dieser Befehl galt auch bei möglichen Demonstrationen im Grenzgebiet.

Auch am 9. November 1989.


In seinem Buch „Der Weg zur Einheit“ schreibt Altbundespräsident von Weizsäcker: „Trotz ausdrücklicher Anforderung durch die Sicherheitskräfte der DDR blieben sowjetische Streitkräfte auf Befehl aus Moskau in ihren Quartieren.“

Das ist so nicht wahr.

Wenn die DDR-Führung hätte wirklich Gewalt anwenden wollen, hätte sie dazu keine sowjetischen Streitkräfte anfordern müssen.

Die eigenen Schutz- und Sicherheitskräfte hätten ausgereicht.

Belegt ist zudem: Niemand aus der DDR - Führung oder den Sicherheitsorganen hat im Herbst89 sowjetische Truppen angefordert.

Ein Befehl aus Moskau, dass sowjetische Truppen in ihren Quartieren bleiben sollten, ist nirgendwo dokumentiert.

Auch der Oberkommandierende der Streitkräfte des Warschauer Vertrages, Armeegeneral Lushew, und der Chef der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte, Armeegeneral Snetkow, mit denen ich in dieser Zeit engste persönliche Kontakte hatte, haben mir gesagt, einen solchen Befehl nie erhalten zu haben.

Versichert haben sie aber, die Bündnisverpflichtungen gegenüber der DDR einzuhalten.

Ein äußerst kompetenter Zeitzeuge war der sowjetische Botschafter in der DDR, Wjatscheslaw Kotschemassow.

Er gab 1997 zu Protokoll: „ In der dramatischen Phase haben unsere Generäle im Oktober und November 1989 einen militärischen Einsatz erwogen und angeboten.“

Glücklicherweise hatten weder die sowjetischen Bündnispartner noch wir eine gewaltsame Lösung geplant.



4. Der 9. November 1989

Über den 9. November 1989 gibt es unzählige Legenden.

Anders ausgedrückt: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Der inzwischen legendäre Versprecher von Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer internationalen Pressekonferenz wird in den Medien genüsslich ausgenutzt, um der DDR-Führung ihre vermeintliche Unfähigkeit zu attestieren.

Die Geschichte ist bekanntlich nie alternativlos.

Auch an diesem Abend war sie es nicht.

Die unvernünftige Alternative zu der Art der Grenzöffnung wie sie stattgefunden hat, wäre eine bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzung gewesen, die niemand hätte verantworten können.

Mir war damals sehr wohl bewusst, dass die von uns beabsichtigte Wende in der DDR ohne Öffnung in Richtung Westen unmöglich gewesen wäre.

Zudem war der Druck der Bevölkerung enorm.

Es rächte sich jetzt, dass es eine nachprüfbare gesetzliche Regelung über das Reisen in Richtung Westen jahrelang nicht gegeben hatte.

Zwar hatte dies auch damit zu tun, dass die Bundesrepublik die Staatsbürgerschaft der DDR nicht respektieren wollte.

Doch diese juristischen Fragen interessierten im November 89 kaum noch.

Die Leute wollten endlich auch in den Westen reisen können.

Ihre Geduld war zu Ende.

Wohl auch deshalb protestierten viele gegen einen Gesetzentwurf, den wir am 6. November zur öffentlichen Diskussion unterbreitet hatten, und der vor zwei/drei Monaten noch als Fortschritt gegolten hätte.

Die Ablehnung der Diskussionsgrundlage führte dazu, dass wir uns in der DDR-Führung einigten, dass eine Regierungsverordnung Übergangsregelungen schafft, die bis zum Beschluss eines Reisegesetz durch die Volkskammer noch vor Weihnachten gelten sollten.

Diese Regierungsverordnung verlas ich auf einer Sitzung des SED-Zentralkomitees am Nachmittag des 9. November zusammen mit dem Entwurf einer Pressemitteilung, die am 10. November in den Printmedien veröffentlicht werden sollte .

Beide Dokumente übergab ich Schabowski, der auf einer internationalen Pressekonferenz darüber informieren sollte.


Jenen „berühmten Zettel“ also, dessen Urheberschaft manche dem KGB, der CIA, dem MfS oder auch dem BND andichten, diesen „Zettel“ hatte Schabowski von niemand anderem als von mir.


Allerdings mit der Maßgabe, den Beschluss auf der internationalen Pressekonferenz vorzustellen.

Statt ihn zu erläutern, antwortete er erst kurz vor Ende der Pressekonferenz auf die Frage eines Journalisten nach dem Zeitpunkt der Grenzöffnung ziemlich verwirrt: „Wenn ich richtig informiert bin, nach meiner Kenntnis unverzüglich.“

Korrekt wäre gewesen „Ab morgen“ oder „Ab 10. November.“


Das Gefährliche dieses Irrtums bestand darin, dass die Grenztruppen zu diesem Zeitpunkt noch keine Befehle zur Öffnung haben konnten.

Hinzu kommt, dass sich alle Mitglieder der DDR-Führung auf einer Tagung des SED-Zentralkomitees befanden, nicht wussten, was Schabowski auf der Pressekonferenz gesagt hatte und folglich selbst nicht aktiv werden konnten.

Tausende Berlinerinnen und Berliner machen sich nun aber auf den Weg zur Grenze.

Nicht, um die „Mauer niederzureißen“, sondern auf Einladung eines Politbüromitgliedes.

Die angestaute Reiselust, die so viele Jahre lang kein Tor gefunden hatte, entlädt sich noch in dieser Nacht.

Wie aus den Medien zu erfahren ist, machte sich auch die heutige deutsche Regierungschefin, Bundeskanzlerin Merkel, aus der Sauna kommend, auf den Weg zur Grenze.

Sie habe dabei durchaus nicht den Eindruck gehabt, dass dies der Fall der Mauer gewesen sei.

Viele, die damals dabei waren, mögen auch jetzt noch nicht von einem „Sturm auf die Mauer“ sprechen, sondern eher von einem großen „Ost-West-Volksfest“.

Sie gingen in friedlicher Absicht.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin (West), Momper, nannte das Ereignis „Keinen Tag der Wiedervereinigung, sondern Tag des Wiedersehens“.

Soziale Spannungen haben damals keine Rolle gespielt.

Kurz vor 21.00 Uhr rief mich Staatsicherheitsminister Erich Mielke an.

Er informierte, was nach der Pressekonferenz passiert war.

„Wenn wir nicht sofort entscheiden, was zu tun ist, dann verlieren wir die Kontrolle“, sagte er.

Ich konnte in diesem Augenblick meine Nervosität nur schwer verbergen.

In meinem Büro waren noch meine Weggefährten Siegfried Lorenz und Wolfgang Herger.

Alle anderen Verantwortlichen waren auf dem Wege vom Gebäude des SED-Zentralkomitees in ihre Büros oder nach Hause.

Alle politischen und militärischen Fäden liefen nun bei mir zusammen.

Wir befanden uns in einer gefahrvollen Situation.

Auch nur eine falsche Entscheidung hätte Blutvergießen bedeuten können.

Mein Entscheidungsspielraum war in diesen Minuten äußerst eng.

Praktisch ging es um die Frage: Lassen wir den Dingen freien Lauf oder setzen wir die bewaffnete Macht zur Sicherung der Staatsgrenze ein?

Letzteres wäre ein Spiel mit dem Feuer gewesen.

Aber auch eine spontane Grenzöffnung - ohne Befehle für die Sicherheitsorgane - barg Risiken in sich.

Ich hatte Sorge, es könne Panik ausbrechen.

Mich bewegte: Was, wenn es in dieser Nacht auch nur einen Toten gibt?

Ich dachte nicht einmal daran, dass geschossen werden könnte.

Es gab ja meinen Befehl vom 3. November 1989, der die Anwendung der Schusswaffe verbot.

Was aber, wenn irgendjemand - von welcher Seite auch immer - provoziert?

Angekündigt waren Provokationen oft genug.

Was, wenn Panik einsetzt und sich Menschen tottrampeln?


Wir wollten auch an diesem Abend bei unserem Grundsatz bleiben:

Es darf keine Gewalt geben.

Die Hauptlast der ungewöhnlichen Situation lag auf den Schultern der Grenztruppen der DDR, der Volkspolizei und des Ministeriums für Staatsicherheit.

Sie bewiesen, dass sie den Grundsatz verinnerlich hatten: Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.


Am Morgen des 10. November gab es aber auch beunruhigende Nachrichten.

Westberliner versuchen, vom Brandenburger Tor aus über die Mauer auf das Territorium der DDR zu gelangen.

Zeitweilig waren über 1000 Menschen auf der Mauer westlich am Brandenburger Tor.

Einige sprangen ins DDR-Grenzgebiet.

Wenn es Sinn macht, von gefährlich die höchste Steigerungsform zu bilden, dann war die Situation am Brandenburger Tor die bisher gefährlichste.

Sie hätte jederzeit militärische Eingriffe auslösen können.

Ich wollte mir damals nicht vorstellen, was hätte passieren könnte, wenn ein gewaltsamer Mauerdurchbruch von Westberlin aus organisiert worden wäre.

Auch international gab es Erregung.

Die Alliierten fühlen sich brüskiert.

Die Botschafter der USA, Großbritanniens und Frankreichs wandten sich an das DDR-Außenministerium.

Sie wollen genaue Auskunft, was in der Nacht passiert war und warum sie nicht gefragt worden waren.

Die sowjetische Seite machte uns am Morgen des 10. November den Vorwurf, die DDR sei wegen des Vier-Mächtestatus von Berlin nicht berechtigt gewesen, die Grenze zu Westberlin zu öffnen .

Auch die Militärverbindungsmissionen der drei Westmächte waren irritiert.

Deshalb wandte sich der Chef des Stabes der Westgruppe der Streitkräfte der UdSSR, Generalleutnant Fursin, an das Oberkommando der USA-Landstreitkräfte Europa sowie das Oberkommando der britischen und der französischen Streitkräfte in Deutschland.

Er forderte sie auf, „sich aus den Ereignissen herauszuhalten “

Der Chef der US-amerikanischen Mission erklärte, „das USA-Oberkommando Einwände erheben würde, falls Armeeangehörige der NVA der DDR Berlin (West) besuchen sollten“.

Nachdem die DDR Gorbatschow in einem Staatstelegramm über Einzelheiten der Grenzöffnung informiert hatte, teilte der sowjetische Botschafter in Berlin mit:

„Im Namen von Michail Gorbatschow beglückwünsche ich die deutschen Freunde zu ihrem mutigen Schritt, die Berliner Mauer geöffnet zu haben.“


Heutzutage wird in den Medien nur noch gemeldet, am 9. November sei die Mauer gefallen, so als habe der Heilige Geist sie zerstört oder sie sei einfach zusammengefallen.

Welche Anstrengungen die DDR unternehmen musste, dass alles friedlich verlief, wird kaum noch berichtet.

Es passt nicht in das verordnete Geschichtsbild vom „DDR-Unrechtsstaat“.


5. Reaktionen in Ost und West

Besser als jede nachträgliche Bewertung der Ereignisse ist ein Vergleich zwischen dem, was damals gesagt und getan wurde, mit dem, was heute darüber berichtet wird.

Zwar wird in der Geschichtsschreibung kurz erwähnt, dass Gorbatschow am 10. November 1989 eine mündliche Botschaft an Helmut Kohl gerichtet hatte.

Doch mehr nicht.

Würde man dies nämlich tun, würde klar werden, dass am 9. November 1989 von einem „Mauerfall“ noch keine Rede sein konnte.

„Mauerfall“ und „Sturm auf die Mauer“ sind ideologische Begriffe im Nachhinein.


Nach meinen Recherchen ist der volle Text der Gorbatschow-Botschaft an Kohl nirgendwo publiziert.


Daher gebe ich ihn hier im Wortlaut wieder:

„Wie Ihnen natürlich bekannt ist, hat die Führung der DDR einen Beschluss gefasst, der den Bürgern dieses Landes die Möglichkeit der freien Ausreise über die Grenzen zur BRD und Berlin (West) ermöglicht.

Es ist verständlich, dass dieser Beschluss der neuen Führung der DDR durchaus nicht leicht gefallen ist.

Zugleich bestätigt er aufs Neue, dass gegenwärtig in der DDR tiefe und bedeutende Veränderungen vor sich gehen.

Die Führung der Republik handelt zielstrebig und dynamisch im Interesse des Volkes, sie entfaltet einen breiten Dialog mit verschiedenen Gruppen und Schichten der Gesellschaft.

Erklärungen aus der BRD, die vor diesem politischen und psychologischen Hintergrund abgegeben werden, die unter Losungen der Unversöhnlichkeit gegenüber der realen Existenz zweier deutscher Staaten Emotionen und Leidenschaften anheizen sollen, können kein anderes Ziel verfolgen, als die Lage in der DDR zu destabilisieren und die sich dort entwickelnden Prozesse der Demokratisierung und Erneuerung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu untergraben.

Wir haben die Mitteilung erhalten, dass heute in Berlin (West) ein Meeting stattfinden wird, an dem offizielle Vertreter aus der BRD und Berlin (West) teilnehmen werden.

Zur gleichen Zeit ist auch ein Meeting in der Hauptstadt der DDR geplant.

Bei den gegenwärtig faktisch offenen Grenzen und den gewaltigen Menschenströmen in beiden Richtungen kann eine chaotische Situation mit unübersehbaren Folgen entstehen.

Angesichts der Kürze der Zeit und der zugespitzten Situation habe ich es für notwendig erachtet, Sie im Geiste der Offenheit und des Realismus zu ersuchen, Ihrerseits die notwendigen und äußerst dringlichen Maßnahmen zu treffen, damit eine Komplizierung und Destabilisierung der Situation nicht zugelassen wird.“



In Botschaften an US-Präsident Bush, an Frankreichs Präsident Mitterrand und an die britische Premierministerin Margaret Thatcher informiert Gorbatschow über seine Warnung an Kohl.



Zugleich bat er die Repräsentanten der drei Westmächte, ihren Vertretern in Westberlin Weisungen zu erteilen, „damit die Ereignisse nicht einen Verlauf nehmen, der nicht wünschenswert wäre…

Wenn aber in der BRD Erklärungen laut werden, die auf ein Anheizen der Emotionen im Geiste der Unversöhnlichkeit gegenüber den Nachkriegsrealitäten, d.h. der Existenz zweiter deutscher Staaten, abzielen, dann können solche Erscheinungen des politischen Extremismus nicht anders eingeschätzt werden denn als Versuche, die sich jetzt in der DDR dynamisch entwickelnden Prozesse der Demokratisierung und Erneuerung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu untergraben.

Mit Blick auf die Zukunft kann dies eine Destabilisierung der Lage nicht nur im Zentrum Europas, sondern auch darüber hinaus nach sich ziehen.“






Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

Die DDR und ihre Geschichte

Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow







Der amerikanische Botschafter in der DDR informiert mich, dass Präsident Bush zunächst nicht glauben wollte, dass die DDR ihre Grenzen geöffnet hatte.

Er überbrachte mir ein Staatstelegramm des US-Präsidenten.


Darin heißt es:

  • „ Sie haben Ihre Pflichten als Vorsitzender des Staatsrates zu einer Zeit übernommen, die äußerst bedeutsam für Ihr Land, für Europa und für den künftigen Gang der Ost-West-Beziehungen ist.

    Die Vereinigten Staaten begrüßen Ihre Entscheidung, die Grenzen der DDR für ständig denen zu öffnen, die das Land in Richtung Westen verlassen oder lediglich dorthin reisen möchten.

    Diese Entscheidung wie auch die Bewegung in Richtung demokratischer Reformen wird den historischen Prozess der europäischen Aussöhnung beitragen“.



  • Der Historiker Helmut Kohl war zur historischen Stunde nicht am Platz der historischen Ereignisse. Er befand sich auf einem Bankett in Warschau.

    Am 11. November kam es ab 10.13 Uhr zu einem Telefongespräch zwischen uns.



  • Der Bundeskanzler begrüßt die Öffnung der Grenzen.

    Sie sei angetan, die Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten weiterzuentwickeln.

    „Ich glaube“, sagt er, „wir stehen jetzt in einem ganz wichtigen Zeitabschnitt, ein Zeitabschnitt, in dem sehr viel Vernunft und gar keine Aufgeregtheit am Platze ist, sondern eine ruhige Gelassenheit, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

    Auch er spricht nicht vom „Fall der Mauer“.



  • Stattdessen sagt er:

    „Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, … dass jede Form von Radikalisierung gefährlich ist.

    Wir werden uns nicht zu unterhalten brauchen, was für Gefahren das sein könnten.

    Das kann sich jeder leicht ausrechnen….

    Und wenn noch irgendwas ist, Herr Krenz, um das klar zu sagen, das ist ja eine Situation, die leicht dramatisch werden könnte, dann greifen Sie zum Telefon und ich umgekehrt.“



  • Walter Momper, der Regierende Bürgermeister von Berlin (West), hatte dem Bundeskanzler gar vorgeworfen, er habe nicht begriffen, was sich in der DDR abspiele.

    Die Menschen in der DDR interessiere nicht die Wiedervereinigung.

    Die neugewonnene Identität des DDR-Volkes möge Kohl zwar nicht passen, sie sei aber Realität.

    Momper ist der Ansicht, ein Treffen von Kohl mit mir sei dringend erforderlich.



  • Ähnlich äußert sich der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Lothar Späth.

    Laut „Stuttgarter Nachrichten“ ist er überzeugt, dass die Mehrheit der DDR-Bürger einen Anschluss an die BRD nicht wünscht.



  • Schließlich erhielt die DDR auch ein Signal aus dem Vatikan.

    Es lautete: „Wenn es der Stabilität der DDR und der Autorität des Staatsratsvorsitzenden dienlich wäre, gäbe es die Bereitschaft, einen Papstbesuch in der DDR zu organisieren.“ .









  • Die historischen Tatsachen werden von ideologischen Interpretationen verdrängt.








    Zwischen den Originaltexten von damals und ihrer nachträglichen Interpretation liegen Welten.

    Die historischen Tatsachen werden von ideologischen Interpretationen verdrängt.



    Es heißt, 1989 sei der Kalte Krieg zu Ende gewesen.


    Ich halte das für einen Irrtum.

    Zu Ende war 1991 die System- und Blockkonfrontation in Europa, weil es die Sowjetunion und ihre Verbündeten nicht mehr gab.

    Nicht zu Ende waren die Ursachen, die zu Kriegen führen.


    Heiße Kriege wie beispielsweise der um Jugoslawien wären zur Zeit des militärstrategischen Gleichgewichts zwischen den USA und der UdSSR undenkbar gewesen.


    Bush sen. erklärte die USA zum Sieger des Kalten Krieges.

    Gorbatschow hielt dagegen, es gebe keinen Sieger, sondern alle seien Nutznießer.


    Inzwischen spricht er allerdings davon, dass die USA einen „Siegerkomplex“ hätten.


    Jene, die noch immer nicht müde werden, die gefallenen Mauern von einst zu kriminalisieren, beobachten heutzutage geradezu mit Sympathie, dass die Trennlinie, die einst an Elbe und Werra sowie quer durch Berlin verlief, nunmehr an die russiche Grenze verlegt wird.






    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

    Die DDR und ihre Geschichte

    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow







    1990 war der Preis der NATO für Gorbatschows Zustimmung zur deutschen Einheit das Versprechen, dass sich die NATO nicht nach Osten ausdehnt.

    Wie immer man zu Gorbatschow steht, ohne ihn wäre – wie es im westlichen Sprachgebrauch heißt – der “eiserne Vorhang” nicht gefallen.


    Doch Gorbatschow hätte sich nicht im Schlaf vorstellen können, dass der “Lohn” für die Auflösung des Warschauer Vertrages die Ausdehnung der NATO bis an die russische Grenze sein würde.


    Wohl auch daraus resultiert seine Verbitterung, wenn er als Reaktion auf die jüngste Rede Obamas vor der UNO, sagte:

    «Es gibt heute eine große Seuche - und das sind die USA und ihr Führungsanspruch» .

    Obama hatte zuvor Russland vor den Vereinten Nationen als Gefahr angeprangert - in einem Atemzug mit der Seuche Ebola und dem Terrorismus.


    Möge Ihre Generation vor solchen Auseinandersetzungen verschont bleiben.

    Vor allem wünsche ich Ihnen, dass Sie nur Frieden erleben, der in dieser Zeit leider sehr brüchig geworden ist.












    Interview mit Egon Krenz für die britische Tageszeitung


    The London Times









    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

    Die DDR und ihre Geschichte

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    Fragen und Antworten


    1. Was war Ihr Hauptziel als Staatschef der DDR?

    Noch am 1. November 1989 sagte mir Michail Gorbatschow, dass er sich mit den Staatschefs der Antihitlerkoalition, darunter auch mit der britischen Premierministerin, einig sei, dass die Abkommen von Jalta und Potsdam nicht revidiert würden.

    Die deutsche Einheit stünde solange nicht auf der Tagesordnung, solange es die NATO und den Warschauer Vertrag gäbe.

    Schon daraus ergibt sich, dass mein damaliges Ziel darin bestand, die DDR als souveränen Staat zu erhalten.


    2. Halten Sie es für ungerecht, wenn die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet wird?

    Der Begriff Unrechtsstaat ist wissenschaftlich nirgendwo definiert.

    Er ist ein Schmähbegriff, mit dem die Nazidiktatur und die DDR auf eine Stufe gestellt werden sollen.

    Er hat seinen Ursprung in der alten Bundesrepublik, die im Unterschied zur DDR die Nazivergangenheit ihres Führungspersonals nie richtig aufgearbeitet hat.


    3. Glauben Sie, dass in der Zukunft die Geschichte der DDR positiver beurteilt werden wird?

    Ja. Aktuelle Umfragen belegen, dass die Mehrheit der früheren DDR-Bürger keineswegs mit der Art und Weise der Behandlung der DDR-Geschichte durch Politik und Medien einverstanden sind.

    Soll Deutschland wirklich zusammenwachsen, dann ist ein ehrlicher Umgang mit der deutschen Nachkriegsgeschichte notwendig.

    Dazu gehört auch ein Vergleich der Geschichte der alten Bundesrepublik und der DDR.

    Das würde Vor- und Nachteile der ehemals beiden Staaten in die Debatte bringen und geschichtlich korrekter sein als die einseitige Verdammung der DDR.


    4. Ihrer Meinung nach, wäre es besser gewesen, wenn die DDR ein eigenständiger Staat geblieben wäre?

    Diese Frage wurde inzwischen von der Geschichte entschieden.

    Es ist meine Sache nicht, zu spekulieren, was besser gewesen wäre, wenn ….


    5. Bezweifeln Sie, dass sich für die meisten Deutschen das Leben verbessert hat?

    Es gibt Verbesserungen und es gibt Verschlechterungen.

    Das Leben ist eben nicht nur schwarz-weiß.

    Deutschland ist zwar staatsrechtlich vereint, aber sozial, ökonomisch und auch mental weiter gespalten.

    Im Osten gibt es eine höhere Arbeitslosigkeit als im Westen, die Löhne und Renten sind hier auch noch niedriger.

    Der Grundsatz, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und gleiche Renten für gleiche Lebensleistungen ist nicht verwirklicht.


    6. Wie werden Sie den 9. November verbringen?

    Das Feiern überlasse ich den aktuellen Politikern, die damals gar nicht dabei waren und nicht wissen können, welche Gefahren es in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 für den Frieden gab.

    Wir standen damals einer bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzung näher als manche dies heute wahrhaben wollen.

    Es bestand sogar die Gefahr, dass die Vier Mächte, die noch Verantwortung für Berlin beanspruchten, hineingezogen werden könnten.

    Michael Gorbatschow hat damals Bundeskanzler Kohl in einer persönlichen Botschaft vor einer Destabilisierung der Lage gewarnt.

    Kohl selbst hat in einem Telefonat mit mir am 11. November 1989 von einer gefährlichen Situation gesprochen, die leicht dramatisch werden könnte.

    Die eigentlichen Helden des 9. November 1989 waren die Angehörigen der Sicherheitsorgane der DDR, die dafür gesorgt haben, dass die Ereignisse friedlich verliefen.

    Die DDR hat sich aus der Geschichte verabschiedet, ohne dass ein Schuss fiel.

    Das ist ein Erbe der DDR, das viel über ihren Charakter aussagt.











    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

    Die DDR und ihre Geschichte

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    Gedenken an die Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR am 4. November 2014 in Ribnitz-Damgarten



    Grab und Gedenkstein des am 4.November 1980 im Grenzabschnitt Schönwalde, Kreis Nauen, an der damaligen Staatsgrenze zu Berlin (West) ermordeten Grenzsoldaten der DDR Unteroffizier Ulrich Steinhauer. Foto: Ingrid Hoffmann
    Gedenken an die Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR am 4. November 2014. Foto: Ingrid HoffmannGedenken an die Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR am 4. November 2014. Foto: Ingrid Hoffmann
    Gedenken an die Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR am 4. November 2014. Foto: Ingrid HoffmannGedenken an die Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR am 4. November 2014. Foto: Ingrid Hoffmann
    Gedenken an die Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR am 4. November 2014. Foto: Ingrid Hoffmann




    Rede von Eckart Kreitlow, Ortsvorsitzender DIE LINKE Ribnitz-Damgarten, zum Gedenken
    an die Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren
    ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR am 4. November 2014



    (ES GILT DAS GESPROCHENE WORT)


    Meine Damen und Herren,

    liebe Genossinnen und Genossen,

    liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

    verehrte Anwesende,

    liebe Angehörige,

    liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer heutigen Veranstaltung zum Gedenken an die

    Ermordung des Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer und aller weiteren

    ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten der DDR,


    wir sind heute hier am Grab des Grenzsoldaten der DDR


    Ulrich Steinhauer (* 13. März 1956; † 4. November 1980)


    zusammengekommen, um sowohl Unteroffizier Ulrich Steinhauer zu gedenken, der heute auf den Tag genau vor 34 Jahren

    am 4.November 1980 im Grenzabschnitt Schönwalde, Kreis Nauen, an der damaligen Staatsgrenze zu Berlin (West)

    während des Grenzdienstes heimtückisch ermordet worden ist.


    Der im Alter von 24 Jahren ermordete DDR-Grenzsoldat Ulrich Steinhauer stammte aus unserer Region.


    Sein Vater arbeitete im Faserplattenwerk Ribnitz-Damgarten. Seine Mutter war Hausfrau.

    Ulrich Steinhauer wurde am 13.März 1956 in Behrenshagen bei Ribnitz-Damgarten als einer

    von fünf Geschwistern geboren. Bis 1970 besuchte Ulrich Steinhauer zunächst die Grundschule

    und dann die Rudolf-Harbig-Oberschule in Damgarten. In der damaligen Zwischenbetrieblichen

    Einrichtung (ZBE) Landbau Damgarten erlernte Ulrich Steinhauer bis 1973 den Beruf eines Zimmermanns.


    Danach arbeitete er in seinem erlernten Beruf als Zimmerei-Facharbeiter bis 1979 in der ZBE Landbau

    Damgarten, bevor Ulrich Steinhauer schließlich im November 1979 zum achtzehnmonatigen Wehrdienst

    in das Grenzausbildungsregiment 40 in Oranienburg einberufen und ab Mai 1980 im Grenzregiment 34

    in Groß Glienicke eingesetzt wurde.


    Zur Tatzeit am 4.November 1980 gegen 16 Uhr war Ulrich Steinhauer mit seinem späteren Mörder,

    der ihn heimtückisch ermordete, als Fahrradstreife und Postenführer im Grenzabschnitt

    zwischen Schönwalde im Kreis Nauen und dem Westberliner Bezirk Spandau unterwegs.


    Ein heimtückischer Mord war es deshalb, weil der Grenzposten, der ihn erschoss, dies ergab übrigens

    zweifelsfrei die spätere Obduktion durch den weltweit anerkannten Gerichtsmediziner der DDR

    Professor Dr. Dr. hc. Otto Prokop (* 29. September 1921; † 20.Januar 2009), mit der Dienstwaffe

    in den Rücken aus kurzer Distanz in einer Folge von fünf Schuss, von denen mindestens ein tödlicher

    Schuss das Herz traf, erschossen hat.


    Von einem Kameraden kann man ganz sicher deshalb hierbei nicht sprechen,

    weil ein Kamerad laut Duden stets jemand ist, der positiv ist und das gleiche

    Schicksal mit Jemanden teilt. Der Mörder Egon B. beging anschließend Fahnenflucht in die BRD.


    Dort erhielt er allerdings später nur eine geringe Strafe, die dieser heimtückischen Mordtat

    natürlich auf gar keinem Fall angemessen war.


    Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer heutigen Gedenkveranstaltung!


    Gleichzeitig mit dem heutigen Gedenken an den Grenzsoldaten der DDR Ulrich Steinhauer,

    der posthum nach seiner Ermordung zum Unteroffizier befördert worden war, möchten wir heute

    am 4. November 2014 aber auch aller weiteren ermordeten Grenzsoldaten und Grenzpolizisten

    der DDR gedenken, indem wir jetzt nachfolgend hier am Grab von Ulrich Steinhauer auf dem

    Alten Friedhof in Ribnitz-Damgarten ihren Dienstgrad, ihren Namen, den Tag ihrer Ermordung

    sowie ihr Alter am Tag ihrer Ermordung verlesen.


    VP-Wachtmeister Gerhard Hofert 03.08.1949 25 Jahre

    VP-Wachtmeister Fritz Otto 01.09.1949 25 Jahre

    VP-Wachtmeister Siegfried Apportin 02.07.1950 19 Jahre

    VP-Wachtmeister Herbert Liebs 21.02.1951 21 Jahre

    VP-Wachtmeister Werner Schmidt 02.03.1951 21 Jahre

    VP-Wachtmeister Heinz Janello 02.03.1951 19 Jahre

    VP-Hauptwachtmeister Manfred Portwich 27.10.1951 26 Jahre

    VP-Oberwachtmeister Ulrich Krohn 16.05.1952 20 Jahre

    VP-Unterwachtmeister Helmut Just 30.12.1952 19 Jahre

    VP-Wachtmeister Waldemar Estel 03.09.1956 24 Jahre

    Gefreiter Jörgen Schmidtchen 18.04.1962 20 Jahre

    Gefreiter Manfred Weiss 19.05.1962 18 Jahre

    Gefreiter Peter Göring 23.05.1962 21 Jahre

    Unteroffizier Reinhold Huhn 18.06.1962 20 Jahre

    Hauptmann Rudi Arnstadt 14.08.1962 35 Jahre

    Gefreiter Siegfried Widera 23.08.1963 22 Jahre

    Unteroffizier Egon Schultz 05.10.1964 21 Jahre

    Gefreiter Rolf Henniger 15.11.1968 26 Jahre

    Leutnant Lutz Meier 18.01.1972 23 Jahre

    Gefreiter Klaus-Peter Seidel 19.12.1975 21 Jahre

    Soldat Jürgen Lange 19.12.1975 20 Jahre

    Unteroffizier Ulrich Steinhauer 04.11.1980 24 Jahre

    Feldwebel Klaus-Peter Braun 01.08.1981 22 Jahre

    Gefreiter Eberhard Knospe 05.05.1982 23 Jahre

    Gefreiter Uwe Dittmann 22.03.1985 20 Jahre












    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

    Die DDR und ihre Geschichte

    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow









    Ehrentafel zum Gedenken an die ermordeten Grenzpolizisten und Grenzsoldaten der DDR

       Dienstgrad

       Name

       geboren

       ermordet

       VP-Wachtmeister

       Gerhard Hofert

       02.02.1924

       03.08.1949

       VP-Wachtmeister

       Fritz Otto

       22.10.1923

       01.09.1949

       VP-Wachtmeister

       Siegfried Apportin

       30.11.1930

       02.07.1950

       VP-Wachtmeister

       Herbert Liebs

       11.05.1929

       21.02.1951

       VP-Wachtmeister

       Werner Schmidt

       26.06.1929

       02.03.1951

       VP-Wachtmeister

       Heinz Janello

       11.12.1931

       02.03.1951

       VP-Hauptwachtmeister

       Manfred Portwich

       07.05.1925

       27.10.1951

       VP-Oberwachtmeister

       Ulrich Krohn

       28.08.1931

       16.05.1952

       VP-Unterwachtmeister

       Helmut Just

       02.07.1933

       30.12.1952

       VP-Wachtmeister

       Waldemar Estel

       05.02.1932

       03.09.1956

       Gefreiter

       Jörgen Schmidtchen

       28.06.1941

       18.04.1962

       Gefreiter

       Manfred Weiss

       01.12.1943

       19.05.1962

       Gefreiter

       Peter Göring

       28.12.1940

       23.05.1962

       Unteroffizier

       Reinhold Huhn

       08.03.1942

       18.06.1962

       Hauptmann

       Rudi Arnstadt

       03.09.1926

       14.08.1962

       Gefreiter

       Siegfried Widera

       12.02.1941

       23.08.1963

       Unteroffizier

       Egon Schultz

       04.01.1943

       05.10.1964

       Gefreiter

       Rolf Henniger

       30.11.1941

       15.11.1968

       Leutnant

       Lutz Meier

       20.10.1948

       18.01.1972

       Gefreiter

       Klaus-Peter Seidel

       22.10.1954

       19.12.1975

       Soldat

       Jürgen Lange

       08.12.1955

       19.12.1975

       Gefreiter

       Ulrich Steinhauer

       13.03.1956

       04.11.1980

       Feldwebel

       Klaus-Peter Braun

       21.10.1958

       01.08.1981

       Gefreiter

       Eberhard Knospe

       12.05.1958

       05.05.1982

       Gefreiter

       Uwe Dittmann

       08.08.1964

       22.03.1985











    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

    Die DDR und ihre Geschichte

    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow









    Eine politische Tat oder Untat nur im Licht des Rechts bewerten!
    Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
    Von Luz María De Stefano Zuloaga de Lenkait




    Gorbatschow: „Kollaps des Vertrauens"





    Aus unserer elektronischen Postmappe "Das Leserecho"







    -----Original-Nachricht-----
    Betreff: Leserbrief von Traudel Felfe zu Thüringen
    Datum: Mon, 27 Oct 2014 13:42:42 +0100
    Von: "Carsten Hanke" hanke.lambrechtshagen@web.de
    An: eckartkreitlow@t-online.de





    Liebe MitstreiterInnen,

    mich erreicht ein Leserbrief von Prof. Dr. Traudel Felfe, Mitglied des Ältestenrates DIE LINKE, zu den Ergebnissen der Sondierungsgesprächen. Dieser Brief, der an das ND versandt worden ist und bisher nicht gedruckt worden ist, spricht natürlich auch für sich selbst.


    Mit solidarischen Grüßen

    Carsten Hanke
    Lindenanger 19
    18069 Lambrechtshagen
    Mail: hanke.lambrechtshagen@web.de
    Tel. 0381/8651480
    Mobil:015201584210
    Homepage: www.hanke-mv.de







    Linke Standpunkte






    Leserbrief zu „Die Keule Unrechtsstaat“ von Claus Dümde,
    ND v. 18./19.Oktober 2014



    Der Beitrag ist von Anfang bis Ende bedenkenswert … in einer notwendigen Diskussion.

    Es geht nicht nur um die Kontinuität bundesdeutschen staatlich verordneten verbalen Umgangs mit der DDR, die nun auch von Funktionsträgern der Linkspartei fortgeführt wird, sondern die drei Parteien haben sich in Protokollpapieren zu ihren Sondierungen v. 23.9.2014 u.a. darauf verständigt, „nicht mit Organisationen, die das DDR-Unrecht relativieren, zusammenzuarbeiten.

    Die Parteien werden keine Personen, die direkt oder indirekt mit dem Sicherheitssystem der DDR zusammengearbeitet haben, in Positionen dieser Regierung entsenden.“ (Reuige Aufarbeitungswillige können ausgenommen werden, das wäre eine Chance für unseren Bundespräsidenten).

    Hier geht es um eine künftige politische Praxis, die massenhafte wenig rechtsstaatliche Praktiken gegen Bürgerinnen und Bürger der DDR nach 1990 fortsetzen würde.

    Was soll dann die Erklärung der Sondierungslinken, dass mit ihrem Bekenntnis zum „Unrechtsstaat“ und zur „schonungslosen Aufarbeitung der Alltagsdiktatur“ ausdrücklich nicht DDR-Bürger und ihre Biographien gemeint seien?

    Alltagleben ohne Bürger? Ähnliches gab es u.a. in den 80er Jahren schon einmal in einer Vereinbarung der bundesdeutschen Kultusminister zur Delegitimierung der DDR in der Bildung: Es ginge nur um das politische System, die Bürger sollten nicht verprellt werden.

    Bleibt die Frage, wem nutzt das? Erinnerung hat immer etwas mit Interessen und mit Zukunft zu tun.

    Die Verständigung auf den „Unrechtsstaat“ als „wichtiger Schritt für eine gemeinsame Regierung und Erinnerungskultur“ hilft bestimmt nicht, progressive sozialpolitische Vorhaben aus den Sondierungen gegen reale Macht- und Kräfteverhältnisse und auch gegen Interessen derer, die den „Unrechtsstaat“ erfunden haben, wenigstens teil- und zeitweise durchzusetzen.

    Dazu würde Druck, Aufbruch, Kontrolle von unten gebraucht und auch Erinnerung daran, was trotz aller Nachteile und Unrechts, das Humanistische für Mehrheiten der Bevölkerung in der DDR ermöglicht hat.

    19.10.2014

    Prof. Dr. Edeltraut Felfe, Greifswald











    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

    Die DDR und ihre Geschichte

    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow










    Präsidium des OKV bringt Erschrecken über pauschale Verurteilung der DDR als Diktatur und Unrechtsstaat zum Ausdruck!
    Schreiben des Präsidenten des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e. V. Dr. Matthias Werner vom 2.10.2014 an den Bundesvorstand der Partei DIE LINKE. Foto: Eckart Kreitlow







    Wahrheitsgemäße Aufarbeitung der DDR-Geschichte ein wichtiges Betätigungsfeld






    -----Original-Nachricht-----
    Betreff: Linkspartei Thüringen: DDR = Unrechtsregime
    Datum: Fri, 26 Sep 2014 20:31:06 +0200
    Von: Wolfgang
    An: eckartkreitlow@t-online.de + Weitere






    Aus unserer elektronischen Postmappe "Das Leserecho"






    Liebe MitstreiterInnen,

    kann man das verdauen oder nicht? - siehe PDF-Datei. Die Würde des Menschen ist unantastbar?

    Meine kluge Frau erinnert gern an eine Aussage Jean Paul Sartres: "Man kann sogar die Vergangenheit ändern.

    Die Historiker beweisen es immer wieder."

    Dass das um so mehr PolitikerInnen beweisen, ist seit 25 Jahren unstrittig.

    Nunmehr auch LINKE-PolitikerInnen. Schon in einer Präambel für eine Regierungskoalition - rot-rot/rosa-grün -

    Unterwerfung unter das, was Anfang der 90er Jahre der damalige Bundesjustizminister Kinkel forderte:

    Delegitimierung der DDR in allen Bereichen.

    Oder: Wie Macht korrumpiert. Dabei geht es aber nur ums Regieren-Wollen.

    Und das unter der Ankündigung einer selbstbewussten LINKEN Regierungspolitik ...


    Gruß

    Wolfgang




    »Die Würde des Menschen ist unantastbar« Zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte (Sondierungen 2014) - PDF
    Anlage 1 zum Protokoll des 2. Sondierungsgespräches zwischen DIE LINKE Thüringen, SPD Thüringen und Bündnis 90 / Die Grünen
    Thüringen, 23.09.2014







    Linke Standpunkte








    -----Original-Nachricht-----
    Betreff: AW: Linkspartei Thüringen: DDR = Unrechtsregime
    Datum: Sat, 27 Sep 2014 11:25:23 +0200
    Von: eckartkreitlow@t-online.de
    An: Wolfgang + Weitere









    Was wahr ist, muss wahr bleiben! Gegen Umdeutungen der Geschichte!





    Es ist natürlich absolut "unverdaulich", um Deine Frage zu beantworten, dass in so

    eklatanter Weise alle Tatsachen zur DDR-Geschichte auf den Kopf gestellt werden!




    Lieber Wolfgang,


    für die Weiterleitung dieser Email an mich möchte ich Dir natürlich ganz besonders danken.


    Ich bin mir sicher, dass wir in der Bewertung des Inhalts dieser Email wahrscheinlich völlig übereinstimmen.


    Das, was dort in Thüringen vereinbart wurde oder vereinbart wird, im Zusammenhang mit der Betrachtung

    der DDR-Geschichte ist nicht nur zutiefst verlogen und ungeheuerlich.


    Um Deine Frage so zu beantworten, wie Du sie gestellt hast, es ist auch absolut unverdaulich, dass in

    so eklatanter Weise bezüglich der DDR-Geschichte alle Tatsachen auf den Kopf gestellt werden bzw.

    künftig auch von unserer Partei DIE LINKE alles an Tatsachen auf den Kopf gestellt werden soll.





    Das, was dort in Thüringen vereinbart wurde oder vereinbart wird, im Zusammenhang mit der Betrachtung der DDR-Geschichte ist nicht nur zutiefst verlogen und ungeheuerlich. Es ist auch absolut unverdaulich, dass in so eklatanter Weise bezüglich der DDR-Geschichte alle Tatsachen auf den Kopf gestellt werden - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow




    Wenn ich nicht genau wüsste, dass solche Genossen und Mitglieder unserer Partei DIE LINKE

    wie Du und glücklicherweise auch noch viele weitere Genossinnen und Genossen die Geschichte der DDR so betrachten,

    wie sie wirklich war, wäre selbstverständlich die Partei DIE LINKE künftig nicht mehr meine politische Heimat

    mit allen dazu gehörenden Konsequenzen.


    Ich gehe aber gegenwärtig davon aus und bin mir auch relativ sicher, dass diese in der Tat verlogene

    DDR-Geschichtsbetrachtung eine Minderheitenmeinung innerhalb unserer Partei DIE LINKE ist bzw. darstellt

    und hoffentlich auch bleiben wird.


    Übrigens, wenn jüngere Mitglieder unserer Partei DIE LINKE die DDR so verzerrt betrachten würden,

    fände ich es zwar auch nicht gut, könnte es aber eher verstehen, weil die die DDR noch nicht oder

    noch nicht bewusst erlebt haben und sie vermutlich nur das wiedergeben, was sie aus den bürgerlichen

    Medien in den zurückliegenden Jahren nach dem Untergang der DDR erfahren haben.


    Sie können es wahrscheinlich nicht besser wissen, zumal ich zudem, als ich als Lehrausbilder

    nach der Wende einige Zeit tätig war, feststellen musste, dass sich kaum einer der jungen Menschen

    für Politik interessierte bzw. darauf keinen "Bock" hatte.


    Um allerdings nicht missverstanden zu werden, es geht hier natürlich nicht darum, dass wir

    in puncto DDR gar uneinsichtig wären oder Ignoranten bzw. "Betonköpfe" sind,

    die nichts akzeptieren oder begreifen wollen, sondern es geht darum, dass das Geschichtsbild

    zur DDR völlig entgegen sämtlicher Fakten auf den Kopf gestellt wird bzw. gestellt werden soll.



    Herzliche Grüße und noch ein schönes Wochenende!


    Eckart





    Weitergeleitet an:



    -----Original-Nachricht-----
    Betreff: WG: AW: Linkspartei Thüringen: DDR = Unrechtsregime
    Datum: Sat, 27 Sep 2014 12:18:29 +0200
    Von: eckartkreitlow@t-online.de
    An: ramelow@die-linke-thl.de














    Rechtsanwalt Dr. Friedrich Wolff:
    Wider den Zeitgeist - Gedanken über die DDR



    Wolfgang Gehrcke, MdB: "Gedenkt unser mit Nachsicht"













    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

    Die DDR und ihre Geschichte

    Die DDR und ihre Geschichte - Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Skizze/Zeichnung: Eckart Kreitlow

















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    Blick auf die Ostsee und den Strand in Ostseebad Dierhagen auf der Halbinsel Fischland in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Eckart KreitlowBlick auf die Ostsee und den Strand in Ostseebad Dierhagen auf der Halbinsel Fischland in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Eckart KreitlowBlick auf die Ostsee und den Strand in Ostseebad Dierhagen auf der Halbinsel Fischland in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Eckart Kreitlow



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    Eine Fähre der Scandlines Reederei verlässt Rostock mit Kurs Gedser / Dänemark. Foto: Eckart KreitlowEine Fähre der Scandlines Reederei verlässt Rostock mit Kurs Gedser / Dänemark. Foto: Eckart KreitlowEine Fähre der Scandlines Reederei verlässt Rostock mit Kurs Gedser / Dänemark. Foto: Eckart KreitlowEine Fähre der Scandlines Reederei verlässt Rostock mit Kurs Gedser / Dänemark. Foto: Eckart Kreitlow



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    Bilder von der Ostseebädertour der Bundestagsfraktion DIE LINKE in Ostseeheilbad Graal-Müritz am 9.August 2014. Foto: Eckart Kreitlow




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